Neu von Armin Risi

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„Die gegenwärtigen Verfallserscheinungen beruhen nach meiner Meinung darauf, daß die Entwicklung der Wirtschaft und Technik den Daseinskampf der Menschen sehr verschärft hat, so daß die freie Entwicklung der Individuen schweren Schaden gelitten hat. Die Entwicklung der Technik fordert aber von dem Individuum immer weniger Arbeit für die Befriedigung des Bedarfes der Gesamtheit. […] die freie Zeit und Kraft, die dem Individuum übrig bleiben werden, vermögen der Entwicklung der Persönlichkeit günstig zu sein. So kann die Gemeinschaft wieder gesunden, und wir wollen hoffen, daß spätere Historiker die sozialen Krankheitserscheinungen unserer Zeit als Kinderkrankheiten einer höher strebenden Menschheit deuten werden.“ – Albert Einstein (1953) (1)
Mysteriöse Materie:
Die Entdeckung der Quantenphysik

„Der Laie meint gewöhnlich, wenn er ‚Wirklichkeit‘ sagt, spreche er von etwas Selbstverständlich-Bekanntem; während es mir gerade die wichtigste und überaus schwierige Aufgabe unserer Zeit zu sein scheint, daran zu arbeiten, eine neue Idee der Wirklichkeit auszubauen. Dies ist es auch, was ich meine, wenn ich immer betone, daß Wissenschaft und Religion etwas miteinander zu tun haben ‚müssen‘.“

– Wolfang Pauli, Pionier der Quantenphysik, Nobelpreisträger 1945 (2)


Was ist Materie?
Von der klassischen Physik zur Quantenphysik
Die Entwicklung von Quantenphysik und Quantenmechanik
Der Mensch – Beobachter oder Teilnehmer im Universum?
Quantenmechanik: Hauptsache, sie funktioniert!
Die neuen Quantenweltbilder
Nicht-Lokalität: Spukt es in der Materie?
Die implizite und explizite Ordnung im Kosmos
Die neuen Weltbilder – Annäherung an das vedische Weltbild (Zusammenfassung)

Was ist Materie?

Bis vor einhundert Jahren haben sich die Physiker diese Frage kaum jemals ernsthaft gestellt. Ein solche einfache Frage galt schon fast als absurd, denn die Antwort war offensichtlich für jeden: Materie ist die Substanz, aus der unsere gesamte Welt besteht und die sich gemäß präzisen Gesetzen ordnet. Heute, hundert Jahre später, können die Wissenschaftler jedoch nicht mehr sagen, was Materie ist. Sie haben mittlerweile erkannt, daß die Materie eine unergründliche Energie ist, die letztlich mit den bekannten Gesetzen nicht zu fassen ist.

Woraus baut sich Materie auf? „Wie“ baut sich Materie auf? Wo ist ihr Anfang? Wo ihr Ende? Die Materie entschwindet in den unendlichen Tiefen der Elementarstrukturen und in den unendlichen Weiten des Kosmos. So offenbart sich die offensichtlich sichtbare Materie als unsichtbare Tür zur Unendlichkeit.

Nach einem langen, schmerzlichen Umweg stoßen die Menschen wieder zu jenem Wissen vor, das den alten vergessenen Kulturen, namentlich der vedischen, bekannt gewesen war als selbstverständliches Grundwissen. Deshalb hatten sie auch ganz andere Lebensgrundlagen und Lebensziele als die Menschen der heutigen „fortschrittlichen“ Zivilisation.

Erstaunlich ist, daß wir diese Horizonterweiterung nicht etwa den Religionen, sondern den Wissenschaften zu verdanken haben. Die Gegensätze treffen sich im Extrem: Im Zug des Materialismus versuchten die Menschen, die kleinsten Bausteine der Materie zu finden, um die Materie von ihrem innersten Kern her zu manipulieren, und stolperten unbeabsichtigt über die Schwelle der Unendlichkeit. Die Unendlichkeit aber entzieht dem Materialismus den Boden, weil unendlich „unfaßbar“ bedeutet. In diesen Bereichen gilt das gewöhnliche Verständnis von Raum und Zeit nicht mehr. Die Wissenschaft hatte ausgeholt, um der Materie das letzte Geheimnis zu entreißen, und stieß verwirrt auf das Unendliche, Raumlose, Zeitlose. Waren das aber nicht die charakteristischen Merkmale jenes ewigen Urgrundes, den die Mystiker „Gott“ nennen? Vor Gott waren die Menschen weggerannt und standen nun am äußersten Ende ihrer Flucht wieder – vor Gott!

Ich möchte diese Flucht rekonstruieren. Sie wird uns zum Ursprung führen, von dem wir ausgegangen sind. Am Schluß werden wir gleich weit sein wie am Anfang und auch viel weiter, weil dieser Umweg uns zu einem tieferen Verständnis von den tiefsten Aspekten der Realität verhilft. Der Umweg begann, als die Menschen nur noch die Materie sahen. Diese Sichtänderung führte die Menschen aus dem Mittelalter heraus und führte zu einem völlig anderen Weltbild und zu einer völlig anderen Weltlage. Die Menschen sahen nur noch die Materie, und im zwanzigsten Jahrhundert wollten sie „in“ die Materie sehen. Was verbirgt sich hinter der geheimnisvollen Tür des Oberflächlichen? Aus dieser Neugier entstand die Quantenphysik.

Die Quantenphysik ist jener Zweig der Wissenschaft, der den Aufbau, das Verhalten und die Energie der Atomstrukturen erforscht. Durch die Quantenphysik wurde das Atomzeitalter eingeleitet, das in den letzten achtzig Jahren wiederum zu einer völlig neuen Weltlage geführt hat. Jedes wissenschaftliche, esoterische oder religiöse Weltbild muß heute zu den Aussagen der Quantenphysik Stellung nehmen.

Wenn ich versuche, die Quantenphysik aus vedischer Sicht zu analysieren, um wichtige weiterführende Schlüsse zu ziehen, könnte man sich fragen, ob die Quantenphysik überhaupt etwas mit der vedischen Wissenschaft tun habe. Ist jeder Zusammenhang, den wir hier erkennen wollen, nicht an den Haaren herbeigezogen? Die Erkenntnisse der Quantenphysik entspringen doch den neusten Forschungen mit den kompliziertesten Vorrichtungen (Teilchenbeschleuniger, Computerberechnungen, Lasertechnik usw.) und können weder durch Alltagslogik noch durch bloße Naturbeobachtung erlangt werden. Mit allem Respekt vor den alten Kulturen – aber quantenphysische Erkenntnisse konnten sie nicht besitzen.

Diese Vorbehalte entspringen der Alltagslogik des modernen Menschen. Die vedische Wissenschaft weist darauf hin, daß die Zerstückelung der Materie in ihre Bestandteile nicht die einzige Methode ist, um Wissen über die wahre Natur der Materie zu erhalten. Kühn behauptet sie, daß dieses Fragmentieren nicht einmal die beste Methode ist und daß sie bessere Methoden vorzuschlagen hat! Die Weisen vor fünftausend und mehr Jahren verwendeten vollkommen andere Methoden und andere Begriffe, um die Grundmuster der Materie zu beschreiben, aber ihre Erkenntnisse und Fähigkeiten standen den modernen in nichts nach. Ja sie waren so unvorstellbar hochstehend, daß man sie bis vor kurzem für pure Übertreibung, okkulte Phantasie oder heidnische Lügen hielt. Tatsächlich wird es auch den Leuten von heute nicht leichtfallen, die Beschreibungen der vedischen Errungenschaften zu glauben. Da ist die Rede von Fliegen, Schwerelosigkeit, mystischen Kräften (siddhi), Manipulation der Materie durch Klang (mantra), Materialisationen durch Gedankenkraft (buddhi), Energiebezug aus höheren Sphären (akasa), ferngesteuerten Atomwaffen (brahmastra), intergalaktischen Raumschiffen (vimana) und noch von vielen anderen, noch unglaublicheren Dingen. Aus den vedischen Schriften geht hervor, daß die Verfasser diese Dinge als eine selbstverständliche Realität hinnahmen. Nicht wenige Textstellen enthalten direkt die Worte von Personen, die über solche Fähigkeiten verfügten, und es ist erstaunlich zu hören, wie sie selbst die Quelle und die Funktionsweise ihrer Kräfte beschrieben. Offenbar war diesen Munis, Rsis, Gosvamis, Devas, Danavas usw. ein höherer Zugang zu Materie und Energie bekannt.

Erst im 20. Jahrhundert sind diese Perspektiven ansatzweise wieder im Blickfeld des Menschen aufgetaucht. Es brauchte die Relativitäts- und Quantentheorien, bis es vereinzelten Menschen dämmerte, daß die Materie mehr ist als das, was man sehen und mechanisch bewegen kann. Plötzlich stellte sich heraus, daß die Welt der Atome nach Quantenmustern aufgebaut ist und in ihrer Grundstruktur ein duales Wesen aufweist, daß es in der Materie auch nicht-lokale Vorgänge geben kann, daß es nicht nur Teilchen und Kräfte, sondern auch Antiteilchen und Antikräfte gibt (z. B. nicht nur die Gravitation, sondern auch die Antigravitation), und daß im Zusammenspiel der Elementarteilchen nicht nur die Teilchen im Spiel sind, sondern auch höhere, noch unbekannte Kräfte.
Die vedischen Errungenschaften sind unglaublich, aber nicht unmöglich. Zumindest theoretisch muß dies heute zugegeben werden. Allzu gerne verstecken sich die Wissenschaftler hinter Fachbegriffen und Formeln, so daß der "normale" Mensch nur noch ehrfurchtsvoll nicken kann, um nicht völlig blöd dazustehen. Im folgenden soll der Sachverhalt einmal umgedreht werden. Die Wissenschaftler müssen aus dem Rauch von Formeln und Zahlen hervortreten und Farbe bekennen: Was wissen sie tatsächlich? Was ist die eigentliche Bedeutung ihrer Forschungs­ergebnisse? Was wissen sie über den Ursprung und das Ziel des Lebens? „Das“ sind die wahrhaft wichtigen Fragen, und nicht: Wie baut man irgendwelche Apparate?

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Von der klassischen Physik zur Quantenphysik

„In der Experimentalphysik leitet man die Sätze aus den Erscheinungen ab und verallgemeinert sie durch Induktion. Auf diese Weise haben wir die Undurchdringlichkeit, die Beweglichkeit, den Stoß der Körper, die Gesetze der Bewegung und der Schwere kennengelernt.“

– Isaac Newton (1686), Begründer der klassischen Physik (3)


Was bedeutet „Quantenphysik“ eigentlich? Wie aus den Aussagen führender Quantenphysiker, die in der Folge zitiert werden, hervorgeht, ist dies eine sehr schwierige Frage, die nicht einmal die Wissenschaftler selbst beantworten können. Die Frage nur „wissenschaftlich“ zu beantworten ist leicht: Die Quantenphysik ist die Ergänzung und Weiterführung der klassischen Physik. Sie ermöglicht es, in den Bereich der Atome vorzudringen, weil dort die Berechnungen der klassischen Physik nicht mehr ausreichen. Um zu verstehen, worum es in der Quantenphysik geht, muß man zuerst deren Vorstufe, die sogenannte klassische Physik, betrachten. Diese beiden Hauptäste der modernen Physik vermitteln auch einen guten Zugang zum Verständnis der vedischen Wissenschaft, die ihrerseits wiederum – so unglaublich das auch klingen mag – die modernen Naturwissenschaften entscheidend bereichern kann, nicht nur philosophisch, sondern auch praktisch!

Im 17. Jahrhundert entstand unter der Führung Isaac Newtons (1643–1727) die Wissenschaft der „Naturlehre“, die später in „Physik“ umbenannt wurde und heute als die „klassische Physik“ bezeichnet wird. Sie ist in erster Linie Mechanik: Vermessung des Sichtbaren und darauf beruhend Rückschlüsse auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten (Induktion).

Die Entwicklung der Physik läutete eine völlig neue Kulturepoche ein. Bis dahin hatten die Menschen seit dem Altertum an ein geozentrisches Weltbild geglaubt und waren davon ausgegangen, daß die Welt das Zentrum des Universums sei und daß sich über ihr hierarchische Sphären wölben, in denen die Vollkommenheit der Wesen mit jedem „Stockwerk“ zunehme.

Die Aufklärung (Descartes, Galilei, Newton) erschütterte diese kleine Welt von Himmel und Hölle in ihren Grundfesten. Mit seinem forschenden Verstand überzeugte sich der Mensch, daß die Erde nur ein kleiner, unbedeutender Planet unter Milliarden von anderen Planeten ist, die alle aus denselben Atomen bestehen. Darin sahen sie den roten Faden, der sich durch die ganze Schöpfung zieht, von den Himmelskörpern zu den irdischen Körpern bis hinunter zu den Atomen. Weil sie alle aus denselben Bestandteilen bestehen, könne man jede Erscheinung dieser Welt durch das Zusammenwirken ihrer Bestandteile erklären; man brauche die Erscheinung einfach nur auf ihre materiellen oder energetischen Komponenten zu reduzieren und sie mit den physikalischen und chemischen Gesetzen zu analysieren. Dieses Denkmuster nennt sich „Reduktionismus“ und bildet die Grundlage des mechanistischen Weltbildes, das bis zum heutigen Tage in der Naturwissenschaft und auch im alltäglichen Leben maßgebend geblieben ist. Dies ist nicht verwunderlich, denn das mechanistische Weltbild entspricht dem gesunden Menschenverstand und beschreibt die Welt gemäß Prinzipien, die eigentlich auf der Hand liegen:

• Kausalität: Jede Erscheinung folgt der Kausalität, der Kette von Ursache und Wirkung (A verursacht B, B verursacht C, und so weiter).

• Lokalität: Dinge wirken nur dann aufeinander ein, wenn sie auf irgendeine Weise miteinander örtlich (lokal) in Berührung kommen, sei es durch direkten Kontakt, wie z. B. zwei Zahnräder, durch energetischen Kontakt oder durch irgendeine andere Verbindung. Nur wenn ein solcher mechanischer Kontakt besteht, können sich zwei Dinge oder Personen beeinflussen. Dies ist die Logik des mechanistischen Weltbildes: Zwei Billardkugeln beeinflussen sich erst, wenn sie zusammenstoßen, und zwei Menschen beeinflussen sich erst, wenn sie irgendwie miteinander in Kontakt kommen (schriftlich, mündlich, emotionell, körperlich), denn wenn kein solcher Kontakt besteht, gibt es keine Beeinflussung.

• Chronologie: Dinge, die kausal voneinander abhängig sind, sind auch zeitlich voneinander abhängig. Wenn A B verursacht, ereignet sich B später als A. Beim „später“ mag es sich nur um Trilliardstelsekunden handeln, wie in der Atomphysik, aber dennoch ist es später, weil B von A verursacht und ausgelöst wird.

Dieses Weltbild ist für uns so natürlich und logisch (techno-logisch!), daß wir Mühe haben, uns ein anderes Weltbild oder eine andere Art der Technik auch nur vorzustellen. Das mechanistische Weltbild ermöglichte plötzlich zahllose technische Erfindungen, die die Welt veränderten: motorenbetriebene Maschinen, mechanische Hilfsmittel, elektrische Apparaturen, Fernverbindungen und drahtlose Übermittlungen. Diese Erfindungen funktionierten und bewiesen dadurch, daß das mechanistische Weltbild „stimmt“.

Bei einer näheren Untersuchung wird man jedoch erkennen, daß der mechanistische Ansatz oberflächlich und beschränkt ist. Erste Zweifel an der absoluten Gültigkeit dieses Weltbildes entstanden, als Albert Einstein seine Relativitätstheorien veröffentlichte. Die „spezielle Relativitätstheorie“ (1905) revolutionierte die Newtonschen Vorstellungen von Raum und Zeit, und die „allgemeine Relativitätstheorie“ (1916) brachte eine neue Interpretation der Gravitation.

Newton hatte seinerzeit geglaubt, man könne alle Bewegungen auf der Erde, in den Atomen und im Universum mit nur drei Gesetzen beschreiben (mit den Gesetzen der gravitativen, elektrischen und magnetischen Wechselwirkungen). Bis zum heutigen Tag fügte die Wissenschaft dem Newtonschen Katalog nur noch zwei weitere Kräfte hinzu (die starken und schwachen Kernkräfte), während sie die elektrischen und magnetischen Wechselwirkungen in den Gesetzen der elektromagnetischen Kraft zusammenfaßte. Mit diesen vier Kräften, so glaubt man heute in der Wissenschaft, sei es möglich, alle Bewegungen auf der Erde, in den Atomen und im Universum zu beschreiben. Worin besteht die Oberflächlichkeit und Beschränktheit dieses mechanistischen Weltbildes? Die Antwort hierauf wird verblüffend offensichtlich, wenn man die Axiome, die grundlegenden Annahmen, von denen dieses Weltbild ausgeht, näher betrachtet:

• Die Annahme der mechanistischen Kausalität geht von der Autonomie der Teile aus. A ist ein selbsttätiger, unabhängiger (autonomer) Faktor, der auf berechenbare Weise B beeinflussen wird. Man braucht nur die Anfangsbedingungen (die Masse, die Position, die Anfangsgeschwindigkeit, die Kräfte, die einwirken) zu kennen, und dann kann man alle vernetzten Reaktionen, die A auslöst, berechnen.

• Die Annahme der mechanistischen Lokalität geht von der Isolation der Teile aus. Damit man A als kausalen Faktor analysieren kann, muß er als Ereignis oder Körper ganz klar abgrenzbar sein, sonst können die Anfangsbedingungen der Analyse nicht festgelegt werden, was eine wissenschaftliche Analyse verunmöglichen würde. Jede wissenschaftliche Analyse ist von Kausalität und Lokalität (also von der Autonomie und Isolation der Faktoren) abhängig. Analyse bedeutet wörtlich „Auflösung; Zergliederung“, abgeleitet von dem griechischen Verb lýein, „(auf)lösen“, und der Vorsilbe ana-, „gemäß“. Analysieren bedeutet also, eine Struktur gemäß bestimmten vorgefaßten Kriterien in Bestandteile oder Fragmente auflösen.

• Die Annahme der mechanistischen Chronologie geht von der Linearität der Teile aus. A, B, C und so weiter bilden nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit eine Linie. Das eine bedingt das nächste. Wenn A B bedingt, dann können A und B nicht gleichzeitig sein. Sind A und B gleichzeitig, sind sie mechanisch (kausal, lokal, chronologisch) nicht zusammenhängend, sondern zufällig. Das heißt, zwei verschiedene chronologische Linien kreuzen sich ohne kausalen Zusammenhang.

Tatsächlich werden bei diesen Formulierungen die Oberflächlichkeit und Beschränktheit plötzlich auffallend. Kein Faktor, Objekt oder Lebewesen ist autonom. Es gibt immer unendlich viele gleichzeitige Einflüsse, weshalb es nicht zulässig ist, jemals einen Faktor, ein Objekt oder ein Lebewesen isoliert zu betrachten. Wenn ich einen Fußball trete, dann kann der Flug dieses Balles nie exakt vorausgesagt werden, denn weder ich noch der Ball, noch die Umgebung sind autonom und dürfen deshalb nie isoliert betrachtet werden. Der Ball und ich bewegen sich ja nicht in einem neutralen Vakuum, sondern in einem Kosmos, in dem gleichzeitig unendlich viele andere Faktoren wirken: meine Masse, die Masse des Balles, der Reibungswiderstand des Bodens und der Luft, die Schwerkraft der Erde und des Balles und aller anderen Objekte, ja sogar aller anderen Planeten. Auch schon Newton mußte zugeben, daß ihm bei seinen Berechnungen nichts anderes übrigblieb, als viele Faktoren, z. B. Gravitationseinflüsse, zu vernachlässigen. (Die Gravitation ist eine Kraft, die mit der Entfernung der Körper abnimmt, aber theoretisch nie null wird. Das heißt, die Gravitation aller Objekte breitet sich durch das ganze Universum aus.)

Bei allem, was wir betrachten, läßt sich also der konkrete Zusammenhang aller Einflüsse unendlich ausdehnen. Das bezieht sich nicht nur auf die obengenannte läppische Fußballszene, sondern auch auf die viel bedeutenderen Ereignisse in unserem Universum, in unserem persönlichen Leben und in den Strukturen der Materie. Die unendliche Anzahl von Kräften, Objekten und Lebewesen, die alle gleichzeitig existieren, zeigt unbestreitbar, daß keines von ihnen unabhängig sein kann. Die Welt ist ja nicht nur ein Fußballfeld von Atomen, die sich gegenseitig herumtreten, und sie ist auch nicht nur eine mechanische Maschine. Die Welt und die gesamte Schöpfung zeigt in jedem ihrer Aspekte einen organischen Aufbau. Alle Teile sind „gleichzeitig“ voneinander abhängig und wachsen gemeinsam. Sie bilden ein organisches Ganzes, und innerhalb dieses Gesamtzusammenhanges hat jeder Teil seine Aufgabe. Unendlich viele Teile halten gleichzeitig das Ganze aufrecht, und jeder Teil scheint genau zu wissen, wo er hingehört und was er zu tun hat, als ob das Ganze die Teile koordiniert. Wie bei einem lebenden Organismus sind der Körper und die Organe, das Ganze und die Teile, nicht zu trennen.

Versucht man nun – wie das in der Wissenschaft getan wird –, die Teile herauszulösen, um sie als autonome und isolierte Faktoren zu analysieren, bricht man den Gesamtzusammenhang künstlich auf und schafft eine unnatürliche Situation. Die Natur befindet sich immer in einem konstanten, zusammenhängenden Fluß, in dem jedes Detail innerhalb des Gesamtbildes seine Bedeutung und seinen Sinn hat. Dieser Fluß der Natur ist vergleichbar mit einem Fluß von Tönen, Bewegungsabläufen oder Wörtern. Deshalb spricht man manchmal auch vom „Buch der Natur“. In einem Buch hat jedes Wort seine Bedeutung aufgrund seiner Stellung innerhalb des Kontexts. Würden wir nun versuchen, ein Wort autonom und isoliert herauszugreifen, um es wissenschaftlich zu analysieren, beraubten wir es seiner Bedeutung und seines Sinns; und damit verlöre auch unsere Arbeit seine Bedeutung und seinen Sinn. Sie würde durch diese verkehrte Vorgehensweise bedeutungslos und sinnlos. Aber genau das geschieht heute in der mechanistischen Forschung: Man löst Objekte aus dem Zusammenhang heraus und versucht sie als autonome und isolierte Objekte zu sehen, was sie aber nicht sind. Die absolute Isolierung ist nie möglich, und deshalb muß die mechanistische Wissenschaft immer abstrahieren und fragmentieren. Damit verpaßt sie jedoch den Sinn der gesamten „Natur“, die sie als sogenannte Naturwissenschaft eigentlich ergründen möchte. Das „Buch der Natur“, in dem wir alle eine individuelle Rolle spielen, hat tatsächlich einen Sinn und vermittelt eine tiefe Lehre, aber wir müssen zuerst die Sprache dieses Buches kennen, um es lesen zu können. Wenn man jedoch aus diesem Buch die einzelnen Wörter herauszulösen beginnt, um sie isoliert zu analysieren, verkennt man den Sinn und Zweck des Buches.

Aber genau dieser Weg wurde durch die Quantenphysik eingeschlagen und bis ins Extrem verfolgt: Man wollte nicht mehr nur die einzelnen Wörter betrachten, sondern auch die elementaren Bausteine der Wörter, die Buchstaben und deren gemeinsame Strukturen. Weil die materielle Welt jedoch ein lebendiges, unendliches Buch ist, birgt und enthüllt sie auch in ihren kleinsten Strukturen die Gesamtheit und Unendlichkeit, die allgegenwärtigen Hinweise auf den universalen, göttlichen Ursprung. Leider wurden diese Hinweise jedoch von den meisten Wissenschaftlern übersehen: „Obwohl ihre Theorien zu einer Weltanschauung führen, die derjenigen der Mystiker ähnlich ist, fällt auf, wie wenig dies die Einstellung der meisten Wissenschaftler beeinflußt hat. […] Viele von ihnen unterstützen aktiv eine
Gesellschaft, die immer noch auf der mechanistischen, fragmentarischen Weltanschauung basiert, und sehen nicht ein, daß die Wissenschaft darüber hinausweist, zu einer Einheit des Universums, die nicht nur unsere natürliche Umgebung, sondern auch unsere Mitmenschen umfaßt. Ich glaube, daß die Weltanschauung, die aus der modernen Physik hervorgeht, mit unserer gegenwärtigen Gesellschaft unvereinbar ist, weil sie den harmonischen Zusammenhängen, die wir in der Natur beobachten, nicht Rechnung trägt. Um einen solchen Zustand des dynamischen Gleichgewichts zu erreichen, bedarf es einer völlig anderen sozialen und ökonomischen Struktur: einer kulturellen Revolution im wahren Sinn des Wortes. Das Überleben unserer ganzen Zivilisation kann davon abhängen, ob wir zu einer solchen Wandlung fähig sind.“ (4)

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Die Entwicklung von Quantenphysik und Quantenmechanik

„Ich glaube, man kann mit Sicherheit behaupten, daß niemand die Quantenmechanik versteht. Man sollte sich nach Möglichkeit nicht ständig fragen, ‚warum ist es denn so?‘, da man sich nur in eine Sackgasse verirrt, aus der noch keiner herausgefunden hat. Niemand weiß, warum es so ist.“ – Richard Feynmann (1918-1988), Physik-Nobelpreisträger 1965
(5)

Wie bereits erwähnt, entstand die Quantenphysik aus den Bemühungen der Physiker, die Natur der Atome, ihren Aufbau, ihre Stabilität und ihre Beeinflußbarkeit zu erforschen.

Die Entwicklung der Quantenphysik ging von folgendem Gedankengang aus: Wenn wir die Funktionsweise der Materie richtig verstehen wollen, müssen wir über die Funktionsweise ihrer elementaren Bestandteile Bescheid wissen. Um irgendeinen Teil zu kennen, müssen wir es vermessen (der mechanistische Ansatz!). Man muß gleichzeitig die Lage und Geschwindigkeit eines Objektes kennen, dann erst kann man Aussagen über dessen zukünftige Lage, Geschwindigkeit, Energie usw. machen. Aber gerade das gelang bei den Atomen nicht! Wie der Physiker Werner Heisenberg in den Zwanziger Jahren herausfand, ist es nicht möglich, Lage und Geschwindigkeit eines Atoms „gleichzeitig“ festzulegen. Denn jede Messung vermag nur das eine oder das andere zu erfassen. Die Wahl des Experimentes beeinflußt von vorneherein schon das Ergebnis! Objektive Messung ist nicht möglich.

Aber damit nicht genug! Noch etwas entdeckten die Physiker, was sie sehr verdutzte: Die Materie offenbarte auf der Ebene ihrer atomaren Bestandteile eine widersprüchliche Natur! Die Bausteine der Materie verhalten sich einerseits wie Teilchen und breiten sich andererseits wie Wellen aus. Sind die nuklearen Bestandteile der Materie nun „Teilchen“ oder „Wellen“, Substanz oder Energie? Das Verflixte dabei ist, daß die Experimente, die auf Teilchennatur, und die Experimente, die auf Wellenstruktur hinweisen, sich aufgrund ihrer grundverschiedenen Anordnung ausschließen. Der Beobachter (das Subjekt) beeinflußt also das Objekt durch die Wahl seiner Experimente! Ist die „objektive“ Wissenschaft etwa nur eine subjektive Ansicht, eine relative Wahrheit?

Neben den ersten beiden Erkenntnissen – die Ungewißheit der Vermessung und die duale Natur der Teilchen – führten die Experimente der Physik noch zu einer dritten verblüffenden Entdeckung: Die atomaren Veränderungen verlaufen „diskret“ (Fachausdruck für „abgesondert; in Intervallen verlaufend; nicht weiter unterteilbar; diskontinuierlich“). Ein Elektron z. B. bewegt sich auf einer bestimmten „Schalen-Etage“ um den Atomkern.

Kommt von außen ein bestimmtes Energiequantum hinzu, springt das Elektron in die nächste Etage, ohne den dazwischenliegenden Raum kontinuierlich zu durchqueren. Bei einem solchen „Quantensprung“ erlischt die eine Zustandsform und die andere leuchtet auf, um es bildlich auszudrücken.

Ein solches elementares „Wellenteilchen“, das sich dual und diskret verhält, nennen die Physiker ein „Quant“. Weil ein Quant nie isoliert auftritt, wird dieses Wort meistens nur in der Mehrzahl gebraucht: Quantenphysik, Quantendynamik, Quantenstatistik usw.

Die bereits genannten Erkenntnisse sind sehr wichtig: Jede materielle Veränderung besteht in ihren Grundstrukturen aus „diskreten Einheiten“, das heißt, jede Bewegung, sei es die von Partikeln oder von Feldern, verläuft über solche Quantensprünge. Die scheinbare Kontinuität ist eine Täuschung, die auf die beschränkte Auflösung der Beobachtung zurückzuführen ist, vergleichbar mit einem Film. Ein Film setzt sich aus einzelnen Bildern zusammen, die aufeinanderfolgen, aber alle voneinander verschieden sind. Die sprunghaften Unterschiede, die sich von Bild zu Bild ergeben, könnte man als die „Quantensprünge“ des Filmes bezeichnen.

Diesen quantisierten, diskreten Bewegungsablauf sieht das Auge als kontinuierliche Bewegung, was in Wirklichkeit eine Täuschung ist. Diese Täuschung entsteht aufgrund der Ablaufgeschwindigkeit des Filmes. Wie groß muß also die Täuschung beim „Atomfilm“ sein,
(6) in dem nicht nur 48 Bilder pro Sekunde aufleuchten, sondern -zig Milliarden! Die Physiker haben diesen Atomfilm geknackt und versuchen, an möglichst vielen Stellen in diesen Film einzugreifen.

Das größte Problem der Quantenphysik besteht darin, daß Atome und Elementarteilchen für eine direkte Beobachtung zu klein sind. Will man etwas über ihr Verhalten erfahren, kann man ihnen nicht einfach konstant hinterherlaufen wie Konrad Lorentz seinen Gänsen. Man muß ihnen abpassen und eine Falle stellen, damit man sie irgendwie vor die Linse kriegt. Und selbst dann sieht man nur Spuren im Schnee, nur indirekte Abbildungen ihres Vorbeizischens. Noch kein Mensch hat jemals ein Atom gesehen. Alle Aussagen über die Atomarstrukturen stützen sich auf
indirekte Wahrnehmung, auf die Abbildung von Spuren und Auswirkungen, die dann interpretiert werden müssen. Das Bild, das die Physik vom Atom zeichnet, ist nur ein theoretisches Modell, das immer wieder angepaßt werden muß, damit es mit den neusten Beobachtungen im kleinstmöglichen Widerspruch steht. Oft ist es sogar umgekehrt: Die Physiker erkennen Mängel in ihrem Modell und versuchen, diese zu überbrücken, indem sie als Hypothese irgendwelche neuen Teilchen oder Faktoren postulieren, dann gehen sie auf die Suche, und wer sucht, der findet.

Die Atome sind nicht nur zu klein; aufgrund ihrer diskreten und dualen Natur sind auch ihre Bewegungen nicht im einzelnen voraussagbar (determinierbar). Es ist unmöglich, ein Atom zu isolieren oder in einem Ruhezustand zu packen, weil das Atom nie in einem Ruhezustand ist. Es ist Teilchen, aber auch Schwingung. Es ist Energie oder Energieverdichtung (ein „Energieknoten“). Deshalb ist es auch falsch zu sagen, das Atom setze sich aus Bestandteilen zusammen. Das Atom ist ein energetisches Gebilde mit einer geballten Kraft. Das merkt man vor allem dann, wenn man es spaltet.

Mit seiner Kraft hat das Atom das Potential, sich sowohl als Substanz (Teilchen) als auch als Energie (Welle) zu verhalten. Das Verhalten des einzelnen Atoms läßt sich also nie genau voraussagen. Man kann das Verhalten eines Atoms mit dem Werfen einer Münze vergleichen. Es ist nicht möglich, genau vorauszusagen, ob die Münze Zahl oder Kopf zeigen wird. Wenn wir aber Tausende und Millionen von Münzen werfen, wird sich ein allgemeines Verhaltensmuster herausbilden: 50 % Kopf und 50 % Zahl.

Wir werden nicht wissen, „welche?“ Münze im einzelnen Kopf oder Zahl zeigen wird, aber wir werden genau vorauswissen, daß die Hälfte Kopf und die andere Hälfte Zahl zeigen wird. Auf dieser Grundlage, die geschaffen wird durch die Wahrscheinlichkeitsrechnung, läßt sich arbeiten und spekulieren. Ein einfaches Beispiel aus der Quantenphysik ist die Berechnung der Halbwertzeiten. Radioaktive Elemente zerfallen innerhalb einer gewissen Zeit. Diese Zeit läßt sich jedoch nie präzise für jedes einzelne Atom festlegen, weil es immer solche gibt, die länger oder
weniger lang leben. Was man jedoch berechnen kann, ist, innerhalb welcher Zeit die „Hälfte“ der Atomverbindungen zerfällt und wann die Hälfte der verbliebenen Hälfte, und so weiter. Auf dieser Grundlage lassen sich Spekulationen über das Alter von archäologischen und geologischen Funden anstellen, man kann mit den Elementen arbeiten und sie in Atomkraftwerken, Waffensystemen, Atomuhren usw. einsetzen.

Voraussagen lassen sich nur für „große Massen“ von atomaren und subatomaren Strukturen machen, und das gelingt mittels Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Die Schulphysik beschränkt sich weitgehend auf diese Zielsetzung: möglichst viele Formeln finden, um das Verhalten von Teilchenmassen voraussagen und so für profitabwerfende Zwecke ausbeuten zu können. Es sind dann auch die Wissenschaftler aus diesen Kreisen, die immer etwas gereizt reagieren, wenn die Erkenntnisse „ihres“ Faches von Nichtfachleuten aufgegriffen und philosophisch ausgewertet werden.

Einer, der es wissen muß, der Physiker und Philosoph David Bohm (der im übernächsten Unterkapitel näher vorgestellt wird), charakterisiert das Handwerk dieser profitorientierten Mehrheit innerhalb der Quantenphysik, die nur noch Quantenmechanik betreibt, wie folgt: „Die Quantenmechanik kennt keine Erklärung der Ursachen. Gerade das gilt als eine ihrer Vorzüge, daß sie gänzlich auf Zufall und Statistik beruht, weshalb es nicht um Erklärungen geht. Sie kann nicht erklären, was „Zeit“ ist, und kann auch nicht erklären, wie ein Moment zu einem anderen wird. Mit anderen Worten, Quantenmechanik ist die Theorie des einen Momentes, der einen Messung, wobei es eine statistische Wahrscheinlichkeit gibt, ein bestimmtes Ergebnis zu bekommen. Dann läßt man das ganze fallen und geht zur nächsten Messung über und wendet wieder die Statistik an. Die Quantenmechanik erklärt nicht, wie man von der einen Messung zur anderen gelangt, ja nicht einmal, warum oder wie die eine Messung gerade das Ergebnis hervorbringt, das es hervorbringt. Sie sagt: Die Formel berechnet dir die Wahrscheinlichkeit, und mehr liegt nicht drin.“
(7)

Der Mensch befindet sich einmal mehr in einer mittelmäßigen Position: Das Große und das Kleine entziehen sich seiner Wahrnehmung, und so glaubt er, im Universalen und Nuklearen herrschten Zufall, und rechnet mit der Wahrscheinlichkeit, ohne zu merken, daß er damit in die Illusion der Wahrscheinlichkeit gefallen ist. Ein perfektes Wort: Wahrscheinlichkeit.

Die entscheidende Frage müßte hier dann lauten: Auf welche Wahrheit weist die Wahrscheinlichkeit hin? Was verbirgt sich hinter dem Schein?

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Der Mensch – Beobachter oder Teilnehmer im Universum?

„Wir hatten die alte Vorstellung, daß es ‚draußen‘ das Universum gibt und ‚hier‘ den Menschen, den Beobachter […] Aber heute wird uns klar, daß das Universum ein Universum des wechselseitigen Teilnehmens ist, und so müssen wir das herkömmliche Wort ‚Beobachter‘ aus den Büchern schlicht und einfach streichen und es mit dem neuen Wort ‚Teilnehmer‘ ersetzen.“ – John Wheeler, amerikanischer Pionier der Quantenphysik
(8)

Wenn man nur den greifbaren Bereich der materiellen Welt betrachtet, könnte man meinen, sie sei nichts anderes als ein Puzzle-Spiel: Eine Vielzahl von Teilen verbindet sich zu einem Ganzen. Der Mensch kann mechanische Teile konstruieren und zusammenfügen, und er kann ein organisches Ganzes in seine Teile zerlegen, um zu sehen, wie sie aufeinander einwirken. Diese Vorgehensweise ist zweifelsohne eine mögliche Art und Weise, mit der materiellen Welt umzugehen, aber sie ist nicht die einzig mögliche und ganz bestimmt nicht die beste. Auf jeden Fall führt sie nicht über das mechanistische Weltbild hinaus. (Man braucht nur einen Samen zu setzen und keimen zu lassen, und schon vollzieht sich ein Wunder, das nicht in das mechanistische Weltbild paßt.)

Wenn der Mensch in die Quantenwelt vordringt, ändert sich das Bild vom Puzzle-Spiel. Weil die Physiker dachten, die Welt sei nichts anderes als ein Zusammensetzspiel, machten sie sich auf die Suche nach den „Bestandteilen“ oder „Bausteinen“ der Materie, aber mußten bald einmal feststellen, daß die Materie ein Trichter ohne Ende ist. Jedes Elementarpartikel muß wiederum als Produkt noch kleinerer oder subtilerer Strukturen aufgefaßt werden, und es sieht so aus, daß alle Grenzen, die der Mensch findet, nicht in der Materie selbst liegen, sondern in der Erschöpfung der menschlichen Reichweite. Irgendwo muß man an ein Ende kommen, und dort, wo man aufhört, zieht man den Schlußstrich. Aber diese Unterteilung hat nichts mit der wahren Natur der Materie zu tun.

Die Atome und erst recht die subatomaren Strukturen sind unsichtbar und unfaßbar. Die Forscher können nur indirekt über Experimente auf sie zurückschließen. Sie wissen selbst nicht, was sie eigentlich untersuchen, und so bleibt ihnen nichts anderes als das mathematische Tasten übrig. Sie müssen vom Bekannten ausgehen und die bekannten Denkmuster auf das Unbekannte projizieren. Ihr einziger Anhaltspunkt ist das Experiment, durch das sie versuchen, die unfaßbaren Strukturen in ihre faßbaren Dimensionen heraufzuholen. Mit anderen Worten, die Forscher müssen das, was sie nicht sehen und fassen können, spekulativ rekonstruieren und interpretieren. Je nachdem, was man von den Atomen will, muß man Experimente aufbauen, die eine entsprechende Quantenmessung erlauben. Man greift also irgendein Lichtbild aus der Multivisions-Show der Quantenwelt heraus, ohne eine Ahnung zu haben, was in dieser Show eigentlich gezeigt wird, denn die Quantenwelt ist dem Menschen verschlossen. Der Mensch, auch der Quantenphysiker, bewegt sich in einer ganz anderen Welt mit ganz anderen Größenverhältnissen und Dimensionsstrukturen. Der einzige Zugang zur Wunderwelt der Atome sehen die Quantenmechaniker in Form des experimentellen Herausgreifens von „Lichtbildern“: irgendwelche Strukturen auf Phosphorbildschirmen, „Blasenkammer“-Aufnahmen, Geigerzählern oder Meßanzeigen von Teilchenbeschleuniger-Anlagen. Ein wahrlich armseliger und lebloser Ausschnitt aus jener Welt, die auf mysteriöse, ja mystische Weise alles Sichtbare in seinen Grundstrukturen zusammenhält.

Der Mensch greift mit seinem Experiment einen ganz bestimmten Ausschnitt aus der Gesamtheit der Quantenwelt heraus. Das Experiment „zwingt“ die Materie, eine ganz bestimmte Form und Verhaltensweise anzunehmen, die sie sonst nicht angenommen hätte. Bestimmt also der Mensch, was er sieht? Sieht er nur das, was er sehen will oder sehen kann? Schafft erst sein Wunsch, etwas zu beobachten, die beobachtete Realität? Denn die Materie birgt in ihrer Struktur unbegrenzt viele potentielle Realitäten, und der „Beobachter“ kann immer nur eine herausgreifen.

Kreiert also der Beobachter das Beobachtete? Und existiert das, was nicht beobachtet wird, etwa gar nicht? Und wo bricht die Vielzahl der potentiellen Möglichkeiten zusammen, so daß am Schluß nur noch eine, die beobachtete, übrigbleibt? Bricht sie im Experiment zusammen oder erst bei der Messung oder erst bei der Beobachtung durch einen bewußten Beobachter? Das würde bedeuten, daß der Beobachter bzw. dessen Bewußtsein entscheidet, was gesehen wird. Das Gesehene wäre dann immer nur selektiv, subjektiv und relativ. Und genau zu diesem Schluß sind einige bekannte Quantenphysiker gekommen (z. B. Werner Heisenberg, John von Neumann, Hugh Everett). Sie sprechen von zwei, mehreren oder unendlich vielen Welten, die alle als potentielle Realität parallel existieren und von denen der beobachtende Mensch immer nur eine herausgreifen kann, wobei diese eine Welt ausschließlich im Bewußtsein des jeweiligen Beobachters existiere. Jeder Mensch lebt also in seiner eigenen Traumwelt und sieht nur einen kleinen, selbstgewählten Ausschnitt. Aber weil man nur einen Ausschnitt aus einer unbekannten Ganzheit sieht, weiß man gar nicht, was man tatsächlich sieht und was man „nicht“ sieht.

Das Beobachtende und Beobachtete sind untrennbar miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Sie sind beide Teil desselben Ganzen und dürfen nicht getrennt werden. Das bedeutet aber auch, daß das Bewußtsein (das Beobachtende) und die Materie (das Beobachtete) nicht getrennt werden dürfen. Ja das Bewußtsein ist viel wichtiger, weil alles, was wir sehen und „nicht“ sehen, von ihm abhängig ist. Das Bewußtsein ermöglicht es uns, überhaupt etwas wahrzunehmen, uns über die Umwelt und über uns selbst bewußt zu sein. Aber was ist das Bewußtsein?

Die offizielle Schulmeinung besagt, daß alles aus Atomen besteht. Woraus bestehen dann die Gedanken und Gefühle? Besteht das Bewußtsein ebenfalls nur aus Atomen? Wer oder was beobachtet überhaupt? Ist es das Auge? Das Hirn? Die Gesamtheit der Nerven? Oder ist es eine nicht-materielle Kraft, das immaterielle Selbst? Spätestens bei dieser Frage platzt den meisten Physikern der Kragen. „Was soll diese sinnlose Metaphysik? Diese Spekulationen nützen niemandem etwas. Quanteln wir einfach weiter!

Hauptsache, die Maschinen und Waffensysteme, die wir konstruieren, funktionieren!“ So spielen die Menschen plötzlich mit Energien herum, die sie nicht verstehen.

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Quantenmechanik: Hauptsache, sie funktioniert!

„Quantenmechanik, diese mysteriöse, verwirrende Wissenschaft. Keiner von uns versteht sie wirklich, aber wir verstehen es, sie anzuwenden.“

– Murray Gell-Mann (1980), Nobelpreisträger der Physik 1969 (9)


Der Mensch entdeckt auf einmal, daß er nicht ein außenstehender, über alles erhabener Beobachter des Universums ist, sondern daß er selbst ein Teil davon ist. Nicht nur das, er ist ein „Gefangener“ im Universum. Er kann sich nie über das Universum erheben, um etwas Objektives über das Universum zu sagen. Solange man sich „innerhalb“ eines Hauses befindet, kann man nichts über das Gesamtaussehen des Hauses sagen. Man muß das Haus verlassen und es von außen betrachten, um genau zu wissen, wie das Haus aussieht. Aber das wird dem Menschen in Bezug auf das Universum nie gelingen.

Die einzige Möglichkeit, etwas über die Materie und den Menschen zu erfahren, so denkt die moderne Wissenschaft, besteht darin, diese Ganzheit aufzutrennen – bis hin zu den Atomstrukturen. Dies bedeutet jedoch, die Ganzheit künstlich zu unterteilen in Beobachter/Beobachtungsgerät einerseits und das „Beobachtete“ andererseits, damit es überhaupt möglich wird, Experimente durchzuführen. (Denn ein Experiment bedingt immer, daß man zuvor die Frage klärt: „Was“ will ich beobachten? Und „wie“ will ich es beobachten?)

Aber diese Auftrennung wird nie den Blick für die Ganzheit eröffnen, im Gegenteil, der Blick wird immer fragmentarischer und begrenzter. Der Mensch sieht nur noch einen Ausschnitt, aber einen Ausschnitt wovon? – Das weiß er nicht. Der Mensch ist immer nur ein Teil, aber ein Teil wovon? Das weiß er nicht.

Diese Erkenntnis, daß der Materialismus eine Sackgasse ist, gehört zu den wichtigsten philosophischen Konsequenzen der Quantenphysik. Aber, wie die obigen Zitate zeigen, die Quantenphysiker scheren sich nicht darum, sondern quanteln einfach weiter. Weit über 50 % ihrer „Errungenschaften“ gehen in die Rüstungsindustrie oder dann in die Nukleartechnologie und in die Datenverarbeitung, die letztlich zu Machtmitteln der Mächtigen werden.

Trotz der Entwicklung der Relativitäts- und Quantentheorien ist der moderne Mensch grundsätzlich immer noch dem mechanistischen Denkschema verhaftet. Er denkt, daß der mechanische Zusammenhang der einzig vorstellbare Zusammenhang der Dinge sei. Diese Überzeugung zeigt sich z. B. darin, daß Energie heute ausschließlich durch das Zerstören von untergeordneten Strukturen gewonnen wird: durch das Verbrennen, Verdampfen, Spalten und Abbauen der Energieträger. Die gesamte Energieversorgung der Welt ist auf diesen destruktiven Methoden aufgebaut. Bis zum heutigen Tag sind alternative Energiesysteme skrupellos unterdrückt worden, um die Monopolstellung der Mächtigen zu wahren, und die Menschen haben dieses Spiel duckmäuserisch hingenommen, dankbar für jede Brosame von Fortschritt, die ihre Meister unter den Tisch fallen ließen.

Es ist jedoch die Ironie der Schöpfung, daß der Materialismus in seinen Extremen immer wieder mit den eigenen Grenzen konfrontiert wird. Die Tiefen des Atoms und die Tiefen des Weltalls entziehen sich der Arroganz des Menschen. Über den langen Umweg der modernen Forschungen geriet, wie bereits erwähnt, das mechanistische Weltbild ins Wanken. Offensichtlich war dies aber nicht gleichbedeutend mit dem Wanken des „materialistischen“ Weltbildes, denn die Quantenphysik an sich ist nichts anderes als eine Erforschung der Atome, um ihre Energien besser verstehen und somit besser nutzen zu können. Die Quantenphysik erlaubt extreme materialistische Schlußfolgerungen. Wenn das mechanistische Weltbild aufgrund der Erkenntnisse der Quantenphysik nicht mehr aufrechterhalten werden kann, dann lautet die entscheidende Frage: Wodurch wird dieses mechanistische Weltbild ersetzt?

Einfach durch das quantenmechanische Weltbild? Durch ein monistisches Weltbild? Durch ein holistisches Weltbild? Oder durch ein spirituelles Weltbild? Mit der Quantenphysik wurde eine bisher unbekannte Tür aufgestoßen, die Korridore in unterschiedlichste Richtungen freilegte. Kurzfristig wählten die Physiker das dämonischste und destruktivste Ziel, die Spaltung des Atoms. Verglichen mit diesem Wahnsinn war Newtons mechanistischer Materialismus geradezu harmlos gewesen.

Die Quantenphysik hat aber auch noch andere, positive Aspekte. Sie führt den Menschen an die Grenzen der faßbaren Materie und zeigt, daß diese letztlich unfaßbar sind. Nachdenkliche Physiker begannen sich zu fragen, was die Unfaßbarkeit dieser Grenzen zu bedeuten habe. Einige unter ihnen wiesen sogar auf gewisse Parallelen mit der östlichen Mystik hin. In alten buddhistischen und hinduistischen Schriften lassen sich nämlich Stellen finden, die ähnliches aussagen wie die modernen Physiker in ihren Interpretationen der Quantentheorie. Doch trotz dieser ersten Berührung mit dem Gedankengut des Ostens wurde nie ein schlüssiges vedisches Weltbild erarbeitet, denn die philosophische Interpretation der Sanskrittexte blieb immer nur spekulativ, ebenso wie die Interpretation der Quantentheorie.

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Die neuen Quantenweltbilder

„In der Quantenmechanik geht es nicht um eine willkürliche Entsagung einer noch detaillierteren Analyse des Phänomens Atom, sondern um die Erkenntnis, daß eine solche Analyse ‚prinzipiell‘ ausgeschlossen ist.“

– Niels Bohr (1885-1962), einer der Begründer der Quantenphysik, Nobelpreisträger 1922 (10)


Es ist unheimlich, aber wahr: Die materielle Welt ist nicht das, was sie zu sein scheint. Sie erscheint auf den ersten Blick als ein Puzzle-Spiel, in dem sich ein Teil an den anderen fügt, gemäß klar definierten mechanischen Gesetzen, die klare Voraussagen erlauben. Auf dieser Grundlage baute Newton seine Physik auf und erzielte beeindruckende Erfolge. Es gelang ihm, Vorgänge auf der Erde und im Weltall (die Bahnen der Planeten) physikalisch zu beschreiben und auf wenige Gesetze zurückzuführen, wodurch es den Menschen möglich wurde, selbst materielle Objekte zu bauen oder zu manipulieren. Es dauerte nicht lange, bis auch die Biologen nachzogen und sagten, die Lebensfunktionen in den organischen Körpern seien ebenfalls nichts anderes als das Ergebnis eines komplexen Zusammenwirkens von physikalischen Impulsen der Nerven, Moleküle und Energieströme. Tote und lebendige Materie seien letztlich dasselbe.

Als die Physiker jedoch begannen, die Materie in den submikroskopischen Bereichen zu untersuchen, stießen sie auf ein neues Universum, die Quantenwelt der Atome. Was Atome wirklich sind, weiß bis heute noch kein Physiker. Das einzige, was die Physiker wissen, ist, daß sich die Atome in großen Verbänden nach ganz bestimmten statistischen Mustern verhalten. Die atomaren und subatomaren Ebenen an sich bleiben ein Geheimnis. Und hier schieden sich die Geister und haben bis heute nicht wieder zusammengefunden. Grundsätzlich lassen sich zwei Seiten erkennen. Die eine geht auf den dänischen Physiker Niels Bohr zurück und wird daher oft als „Kopenhagener Schule“ bezeichnet. Sie besagt (siehe obiges Zitat), daß der Mensch keine Möglichkeit habe, tatsächlich zu den Atomen vorzudringen. Die detaillierte Analyse eines einzelnen Atoms sei unmöglich, weil der Mensch immer von seiner Beobachtung und somit von den Beobachtungsvorrichtungen abhängig sei. Damit könne der Mensch nur immer von ihm selbst herausgegriffene Muster erkennen, aber nie die Gesamtheit aller Muster und auch nie die Natur des einzelnen Atoms.

Diese Interpretation ist heute weit verbreitet und unter den Physikern sehr populär, denn sie kann in dem Sinn ausgelegt werden, daß der Mensch gar nicht nach tieferen Strukturen suchen soll, weil es entweder keine gibt oder zumindest keine Möglichkeiten, sie zu isolieren. Deshalb solle man sich einfach auf das quantenmechanische Handwerk beschränken und nicht zu viel nachdenken, weil das sinnlos, da aussichtslos sei. Auf diese Weise haben schon drei Physikergenerationen ihr Gewissen beruhigt. Die Vertreter der anderen Seite, angeführt von Albert Einstein, gaben sich mit dieser Interpretation nicht zufrieden. Sie bestanden darauf, daß die Welt nicht nur statistisch (auf Wahrscheinlichkeiten beruhend) und indeterministisch sei (d. h. auf willkürlichen, keinen höheren Gesetzen unterworfenen Quanten-Launen der Atome beruhend); dieser Eindruck entstehe nur, weil die Quantenphysik noch nicht das endgültige Verständnis der Welt liefere; wenn es gelänge, die entsprechenden Naturgesetze oder Feldtheorien zu entdecken, wäre man auf einmal in der Lage, all jene Phänomene, die jetzt indeterministisch und zusammenhangslos erscheinen, im Licht eines höheren Musters zu verstehen.

Die einen suchten gar keine höheren Gesetze, weil sie sagten, diese gebe es gar nicht, und die anderen sprachen von höheren Gesetzen, hatten aber keine Vorstellung, worin diese bestanden. So kamen beide Seiten nicht weiter. Albert Einstein suchte in seinen späten Jahren nach einer Weltformel, Niels Bohr setzte sich das Ying-Yang-Zeichen ins Wappen, Max Planck sprach von Gott, und Erwin Schrödinger liebäugelte mit gewissen östlichen Lehren, die sagen, materielle Formen seien letztlich nur inexistente Illusionen.
(11)

Weil man philosophisch nicht weiterkam, konzentrierten sich auch die obengenannten Physikgrößen auf die praktische Forschung. Diese wurde verlangt, gefördert und brachte konkrete Ergebnisse. Denn immerhin war die Quantentheorie so praktisch, daß sie funktionierte, auch wenn man nicht wußte, wie und warum.

Die obengenannten Weltbilder lassen sich auch wie folgt zusammenfassen: (1) Man klammert das Nicht-Beobachtbare einfach aus dem Bereich der Physik aus. (2) Man will das Nicht-Beobachtbare mit „neuen“ physikalischen Erkenntnissen erklären. Aus der vedischen Sicht stellen beide Kategorien nur Halbwahrheiten dar. Es stimmt, daß der Kern der Realität letztlich nicht beobachtbar (meßbar) ist. Aber das degradiert ihn nicht zum nebensächlichen Detail, vielmehr ist dieser „unsichtbare“ Kern das wichtigste, was es überhaupt zu erkennen gibt, nämlich das, was unsere Existenz und die Existenz der gesamten Natur ausmacht: das „Leben“, das Bewußtsein. Diese Faktoren sollten deshalb nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden.

Die Erklärung dieses Kerns wird durch die Vertreter der zweiten Kategorie angestrebt, jedoch mit falschen Mitteln, denn das Bewußtsein läßt sich nicht mit Physik, auch nicht mit einer „neuen“ Physik, ergründen. Das Bewußtsein ist nicht das Produkt von Materie, sondern die Kraft hinter der Materie. Als indirekten Beweis für diese Aussage geben die vedischen Schriften ein komplexes System von Vorgängen, wie man das Bewußtsein von materiellen Einflüssen befreien kann. Dies zeigt, daß das Bewußtsein nicht materiell ist, denn sonst könnte man es nicht von den materiellen Einflüssen lösen. Das vedische System ist genauso wissenschaftlich wie die moderne Wissenschaft. Beide stützen sich auf die Vorgehensweise Experiment – richtige Ausführung – vorausgesagtes Ergebnis.

Spätestens seit der Entwicklung der Quantenphysik muß auch die Wissenschaft zugeben, daß es viele Phänomene gibt, die man nicht direkt beweisen kann (wie z. B. den Aufbau der subatomaren Strukturen), und daß deshalb indirekte Beweise (Rückschlüsse anhand von Symptomen) notwendig sind. Ein direkter Beweis wäre, wenn man ein Atom einfach aus der Materie herausangeln könnte, um es zu betrachten, zu messen und zu fotografieren. Das geht natürlich nicht, und deshalb muß man die Symptome der Atome studieren: Wie verhalten sie sich bei Kollisionen, Brechungen und Ablenkungen? Ebenso kann man die „Seele“, die immaterielle Lebenskraft, nicht aus dem Körper angeln und messen, wiegen oder fotografieren. Aber man kann anhand der Symptome des Bewußtseins Aussagen über die Existenz der Seele machen, ebenso wie man anhand der Symptome der Materie Aussagen über die Existenz der Atome machen kann.

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Nicht-Lokalität: Spukt es in der Materie?

„Physics should represent a reality in space-time, free from any spooky action at a distance.“ – Albert Einstein
(12)

Als die Physiker begannen, mit Licht und Atomen gezielte Experimente durchzuführen, gelang es ihnen, viele Bewegungsmuster zu definieren, was ihnen eine gewisse Macht über die Materie verlieh. Mit diesen Erkenntnissen und Profiten gaben sich die meisten Wissenschaftler zufrieden. Diejenigen jedoch, die bei den Experimenten etwas genauer hinschauten, erhaschten im Hintergrund des Experimentes ein blitzschnelles Phänomen, etwas Gespenstisches, das so unheimlich war, daß die meisten lieber nicht ein zweites Mal hinschauten. Da gab es eine Geisterhand, die in gewisse Experimente eingriff und Ergebnisse verursachte, die mit dem herkömmlichen Kausalitätsdenken nicht vereinbar waren. Weil die quantenmechanischen Erfindungen aber sehr gut ohne dieses spukige Detail auskamen, wurde es weitgehend ignoriert. Was ging da in den sterilen Laboren der Quantenphysik vor sich?

Erwin Schrödinger gehörte zu den ersten, die es erkannten und auszusprechen wagten: Bestimmte quantenphysische Experimente schienen das Ergebnis anderer Experimente zu beeinflussen, obwohl diese beiden Experimente voneinander getrennt durchgeführt wurden. Es sah aus, als ob sich gewisse Partikel über Entfernung beeinflussen. Können Partikel oder andere Einheiten (z. B. Felder) aufeinander wirken, auch wenn sie nicht direkt verbunden sind? Gibt es noch andere Zusammenhänge als die rein kausalen (A verursacht B, B verursacht C, usw.)? Sind die letzten
Zusammenhänge in der Welt etwa „nicht-lokal“ (das heißt nicht räumlich linear verknüpft)? Träfe es zu, daß in den elementaren Wechselwirkungen der Materie Akausalität und Nicht-Lokalität vorkommen, wären das schon fast geisterhafte Faktoren und widersprächen der klassischen Physik genauso wie der Relativitätstheorie.

„Wegen ihrer Phasenverbundenheit scheint eine Wirkung auf Quon [Quantenpartikel] A einen augenblicklichen Effekt auf Quon B zu haben, auch dann, wenn die beiden Quons nicht mehr in der Lage sind, miteinander auf Grund konventioneller Kräfte in Wechselwirkung zu treten. Schrödinger empfand diese offenbar augenblickliche [synchrone] Verknüpfung als so ungewöhnlich, daß er sie nicht als ‚ein Merkmal‘, sondern als ‚das Hauptmerkmal‘ der Quantentheorie bezeichnete.“
(13)

In den Fünfziger Jahren erfuhr diese Annahme durch die theoretischen Arbeiten eines anerkannten, aber eigenwilligen Physikers weitere Bestätigung. Es war Einsteins junger Kollege David Bohm. Bohm: „Einstein hatte das Gefühl, daß die statistischen Voraussagen der Quantentheorie zwar korrekt waren, daß jedoch gewisse Elemente fehlten und daß man – würden diese fehlenden Elemente hinzugefügt – über die Statistik hinausgehen könnte, um zumindest im Prinzip zu einer deterministischen Theorie zu gelangen. Diese Begegnung mit Einstein hatte einen großen Einfluß auf den weiteren Verlauf meiner Forschungen.“
(14)

David Bohm, obwohl anfänglich ein Anhänger der Kopenhagener Deutung, war je länger je mehr nicht mehr überzeugt, daß sich die physikalische Forschung in der Erkenntnis des dualen Wesens der materiellen Elementarteilchen erschöpfe. Ab 1952 veröffentlichte Bohm mehrere Artikel, in denen er verschiedene intuitive Modelle vorschlug, die gleichzeitig eine physikalische Revolution und eine physikalische Todsünde enthielten.

Bohms Ansatz war eigentlich ganz einfach: Zwei Ereignisse können sehr wohl aufeinander einwirken, ohne direkt miteinander verbunden zu sein, nämlich dann, wenn sie über eine übergeordnete oder tiefgründigere Struktur verbunden sind. Bohm sprach von einem „Quantenpotential“ oder von einer Führungswelle, die alle Quantenstrukturen (Felder, Atome und subatomare Partikel) verbinden. Der Einfluß des Quantenpotentials, sagte Bohm, breite sich wie die Gravitation durch das ganze Universum aus, nehme aber – im Gegensatz zur Gravitation – mit der Entfernung nicht
ab; deshalb sei es sehr wohl möglich, daß es Dinge gibt, die synchron (nicht-lokal und akausal) geschehen, denn sie seien über den gemeinsamen Urgrund miteinander verbunden. Für die konventionelle Physik, die einen solchen hypothetischen Urgrund nicht akzeptieren kann, stellt die Annahme der synchronen Verbindung eine absurde Behauptung dar, denn diese Annahme setzt voraus, daß Quantenpartikel untereinander Informationen „superluminal“ (mit Überlichtgeschwindigkeit) austauschen können! Und das ist eine Todsünde, denn mit Albert Einstein hatte die moderne Physik postuliert und akzeptiert, daß die Lichtgeschwindigkeit die höchstmögliche materielle Geschwindigkeit sei. Aber als Bohm dennoch das Eis der Lokalität und Kausalität brach, dauerte es nicht mehr lange, bis ein anderer Physiker, John Bell, die Realität dieses Mysteriums experimentell nachwies (1964).

John Bell: „Die Arbeiten über die Quantenmechanik, die Bohm im Jahre 1952 veröffentlichte, waren für mich wie eine Offenbarung. Sehr beeindruckend war die Überwindung des Indeterminismus. Aber noch wichtiger, so denke ich, war, daß er es in keiner Weise für notwendig hielt, die Welt vage in ‚System‘ einerseits und ‚Apparat‘ oder ‚Beobachter‘ andererseits zu unterteilen.“
(15)

John Bells indirekte Beweisführung ist heute als das „Bellsche Theorem“ bekannt.
(16) Bell konnte nachweisen, daß es physikalische Phänomene gibt, die mathematisch nicht erklärt werden können, wenn man nicht die Nicht-Lokalität akzeptiert.

Ein diesbezügliches Experiment, sehr vereinfacht dargestellt, verläuft wie folgt:

(1) Das Experiment arbeitet mit phasenverriegelten Teilchen. Das sind subatomare Teilchen, die einer gemeinsamen Struktur angehören und deshalb die gleichen Attribute haben, aber mit vertauschten Vorzeichen. Nun werden solche Zwillingsteilchen in entgegengesetzte Richtungen ausgesandt. Die Teilchen bewegen sich mit Lichtgeschwindigkeit, und man dürfte annehmen, daß sich die Teilchen nach der Aussendung nicht mehr beeinflussen. Aber das Gegenteil ist der Fall …

(2) … Die Messung des einen Teilchens beeinflußt den Zustand des anderen! Wird das eine Teilchen beeinflußt (denn ohne Beeinflussung kann man nicht messen), reagiert das andere automatisch und synchron in entgegengesetzter Richtung, obwohl ihm äußerlich gar nichts zustieß. Dies passiert gleichzeitig, auch wenn die Teilchen viele Lichtjahre auseinander sind. Mit anderen Worten, alle Quantenpartikel, die einmal miteinander verbunden waren, bleiben nach einer Trennung „phasenverriegelt“, d. h. über ihre Wellenfunktion miteinander verbunden. Ein eindrückliches Beispiel für die permanente Verknüpfung ursprünglich verbundener Teile!

Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist nicht nur für die Physik, sondern für jeden Lebensbereich von größter Nachhaltigkeit und führt direkt zu einer wichtigen vedischen Schlußfolgerung: Alles ist miteinander verbunden, weil sich alles einmal innerhalb des gemeinsamen Ursprungs befand und eine Einheit bildete (unabhängig davon, ob man nun den Urknall oder Maha-Visnu als den Ursprung des Universums betrachtet). Die physikalische Nicht-Lokalität ist nicht direkt beweisbar, aber sie sollte den Menschen auf den Gedanken bringen, daß der materialistische Ansatz immer in eine Sackgasse führen muß. In der Materie gibt es Nicht-Lokalität, weil der spirituelle Urgrund der Materie (das Brahman) ebenfalls nicht-lokal und akausal, d. h. nicht materiell ist.

Deswegen wird die Nicht-Lokalität immer offensichtlicher und wirksamer, je mehr man die spirituellen Bereiche der Realität in Betracht zieht. Auf der grobstofflichen Ebene ist der ursprüngliche Zusammenhang aller Dinge nicht mehr direkt wahrnehmbar. (Wenn ich auf der Erde eine Stecknadel fallen lasse, wie beeinflußt das die entfernten Galaxien?) Aber auf der feinstofflichen Ebene ist dieser Zusammenhang vollumfänglich wirksam, zum Beispiel in der Karma-Kausalität. Wenn gemäß dem Karma-Gesetz zwei Autos zusammenstoßen, so ist das physikalisch
gesehen ein nicht-lokaler und akausaler Vorgang. Wenn es ein lokaler und kausaler Vorgang wäre, dann hätten sich die beiden Autofahrer verabreden müssen, um absichtlich zur selben Zeit am selben Ort zu sein und sich frontal zu treffen. Die beiden Autofahrer sind jedoch scheinbar unabhängig voneinander losgefahren, zu verschiedenen Zeiten, aber genau in der richtigen Sequenz, so daß sich ihre Wege kreuzten. Nur eine oder zwei Sekunden Unterschied, und der Unfall hätte nicht stattgefunden. Man kann hier von Zufall sprechen, aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine nicht-lokale, akausale Synchronizität, inszeniert nicht durch die Newtonschen oder quantenphysischen Gesetze, sondern durch die Faktoren des Karma-Gesetzes.

Die spirituelle und die feinstoffliche Synchronizität spiegelt sich auch in der grobstofflichen Materie, die deshalb in ihren Grundstrukturen ebenfalls synchrone (nicht-lokale, akausale) Anlagen aufweist. Die Nicht-Lokalität ist einer der radikalsten Widersprüche im wissenschaftlichen Weltbild und scheint auf den ersten Blick absurd zu sein. Wie können zwei Partikel (oder zwei Ereignisse, zwei Personen), die „nichts“ miteinander zu tun haben, sich gegenseitig beeinflussen?

Das Bellsche Theorem besagt, daß kein Modell die Realität erklären kann, wenn es nicht reale, aber unsichtbare Kraftfelder enthält, die synchron oder zumindest mit Überlichtgeschwindigkeit Reaktionen koordinieren können. Das können die meisten Physiker nicht glauben, aber es stört sie auch nicht sehr, weil es ihnen gar nicht um die Ergründung der Realität geht, sondern nur um die Manipulation der Materie. Auf diesen Umstand kann man nicht oft genug hinweisen, denn er ist die Hauptursache der wissenschaftlichen Kurzsichtigkeit und Einseitigkeit.

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Die implizite und explizite Ordnung im Kosmos

„Ein intuitives Modell zu haben ist, in meinen Augen, besser, als gar keins zu haben, denn ohne ein solches Modell wird die quantentheoretische Forschung aus nicht viel anderem bestehen als aus dem Aufstellen von Formeln und dem Vergleichen von theoretischen Ergebnissen mit denen der Experimente. Und noch entscheidender: Die Lehre der Quantenmechanik wird zu einer Art Indoktrination schrumpfen (und diese Tendenz läßt sich tatsächlich feststellen), die darauf hinausläuft, den Glauben zu schüren, daß dieses Vorgehen in der Physik das einzig mögliche sei. Auf diese Weise sind neue Generationen von Studenten herangewachsen, die von vornherein für solche Fragen [nach der wirklichen Realität] verschlossen sind.“

– David Bohm (1917-1992) Pionier der holistischen Physik (17)


David Bohm wurde 1917 als Sohn eines nach Amerika ausgewanderten österreich-ungarischen Möbelhändlers in Pennsylvania geboren. Er promovierte 1943 an der Unversität Berkeley in theoretischer Physik und leistete wichtige Beiträge in der Plasmaphysik und Quantenphysik, was dazu führte, daß er an die renommierte Princeton Universität berufen wurde, um Vorlesungen über die Quantenphysik zu halten. Dort verfaßte er sein vielbeachtetes Lehrbuch über die Quantentheorie (1951) und traf mit dem 38 Jahre älteren Einstein zusammen.

Als immer mehr Experimente auf einen nicht-lokalen Zusammenhang der Elementarteilchen und Energiefelder hinzuweisen begannen, entwarf Bohm (mit mathematischen Ausführungen) ein intuitives Modell, das auf einen höheren Zusammenhang hinwies, der im Hintergrund die scheinbar nicht-lokalen Vorgänge innerlich (implizit) verbindet. David Bohm wurde zum berühmten und umstrittenen Verfechter der „impliziten Ordnung“ und veröffentlichte im Jahr 1980 eine Sammlung seiner wichtigsten Artikel und Vorlesungen in Form des Buches Wholeness and the Implicate Order (dt. „Die implizite Ordnung. Grundlagen eines dynamischen Holismus“).

Bohms Konzept der impliziten Ordnung und der expliziten Formen kommt von allen modernen Weltbildern dem vedischen am nächsten. Kein Wunder, Bohm trägt die vedische Mantra-Silbe om ja bereits in seinem Namen!

David Bohm faßt das Problem der modernen Physik, die mit dem Widerspruch der Relativitäts- und Quantentheorie zu kämpfen hat, wie folgt zusammen: „Damit Gesetze formuliert werden können, setzt die Relativität strikte Kontinuität, strikten Determinismus und strikte Lokalität voraus und die Quantentheorie Diskontinuität, Indeterminismus und Nicht-Lokalität. So scheinen die beiden in einem absoluten Widerspruch zu stehen. Und tatsächlich ist es bisher im Rahmen dieser beiden Theorien nie gelungen, diese ‚physikalischen Konzepte‘ – Relativitäts- und Quantentheorie – in einer vereinheitlichten Theorie konsistent zusammenzubringen. Wollen wir die beiden zusammenbringen, sollten wir nicht immer von ihren Widersprüchen ausgehen, sondern von dem, was ihnen gemeinsam ist. Was beide gemeinsam haben, ist das Verständnis der ‚ungebrochenen Ganzheit‘ des Universums. Auf eine radikal verschiedene Weise beschreiben beide dieselbe Ganzheit. […] Dies führt uns ganz natürlich zur Frage: Ist es möglich, eine neue Ordnung zu beschreiben, die es erlaubt, sich ein Universum vorzustellen, dessen grundlegendes Wesen eine ungebrochene Ganzheit ist?“
(18)

In der Suche nach dieser Ganzheit sah Bohm sein Hauptanliegen: „Ich würde sagen, daß es das Hauptanliegen meiner wissenschaftlichen und philosophischen Arbeit war, die Natur der Realität im allgemeinen und des Bewußtseins im besonderen als ein zusammenhängendes Ganzes zu begreifen, das niemals statisch oder abgeschlossen ist, sondern einen endlosen Bewegungs- und Entfaltungsprozeß darstellt.“
(19)

Bohms Hauptgedanke war, daß zwei Dinge, die nicht direkt miteinander verbunden sind, die also nicht-lokal und akausal sind, dennoch zusammenhängen können, nämlich dann, wenn beide durch eine gemeinsame, höhere Struktur verbunden sind. Jede äußere Ordnung, betonte Bohm, geht aus einer tieferen, inneren Ordnung hervor, auch unsere Gedanken, unser Gedächtnis und unsere Fähigkeiten. Bohm wies theoretisch nach, daß weder die klassisch-mechanistische Physik noch die Quantenphysik ausreichen, um die sichtbar entfalteten (expliziten) Formen, die uns überall in der Welt entgegentreten, zu erklären: „Dies öffnet den Weg für ein Weltbild, in dem Geist und Materie konsistent verbunden sind, was jedoch nicht bedeutet, daß man die reduktionistische Weltsicht annimmt, indem man denkt, das eine sei nichts anderes als ein Produkt, das aus dem anderen hervorgegangen sei, wie dies z. B. der Materialismus besagt (Geist sei nur eine Funktion der Materie) oder der Idealismus (Materie sei nur eine Funktion des Geistes). Vielmehr lautet unsere These, daß Geist und Materie beide aus einem gemeinsamen Grund hervorgehen, der über beidem steht und letztlich unbekannt ist.“
(20)

Obwohl Bohm den gemeinsamen Grund, aus dem Geist und Materie letztlich hervorgehen, als unbekannt bezeichnet, gibt er ihm einen abstrakten Namen: die implizite Ordnung, d. h. der ordnende, übergeordnete Hintergrund, im Gegensatz zu den geordneten, entfalteten (expliziten) Formen. Die Begriffe implizit und explizit sind abgeleitet vom lateinischen Verb plicare, „falten“, das auch in Fremdwörtern wie Multiplikation und Replikation erscheint. Bohm schloß nicht aus, daß es eine ganze Hierarchie von impliziten Ordnungen geben kann, die letztlich alle von einer „überimpliziten Ordnung“ abhängig sind. „Dies bedeutet natürlich, daß alle Teile – durch ihre Beziehung zum
Ganzen – ‚innerlich‘ verbunden sind.“ (21)

Alle Teile sind potentiell im Ganzen „eingefaltet“ (was die wörtliche Bedeutung von implizit ist). Und das Ganze ist in jedem Teil enthalten. Bohm gibt zwei Beispiele, um das gleichzeitige Wirken von impliziter und expliziter Ordnung zu vergegenwärtigen. Das eine ist das Hologramm (flache Bilder, die jedoch einen dreidimensionalen Eindruck erwecken, wenn ein Halogen-Scheinwerfer darauf gerichtet wird). Dieser Effekt entsteht, weil in jedem Teil des Bildes das gesamte Bild enthalten ist.

Man könnte also aus jeder Bildzelle das gesamte Bild rekonstruieren. Das andere Beispiel ist das Licht. Wenn wir uns in einem Raum befinden, vermitteln uns die Lichtstrahlen aus jedem Winkel das Bild des gesamten Raumes. In jedem kleinen Lichtbündel, das auf unsere Iris fällt, ist also das Bild des Ganzen enthalten.

Andere Beispiele für eingefaltete und entfaltete Ordnungen sind die Radio- und Fernsehwellen, deren eingefaltete Information durch den Apparat entfaltet wird. Oder jeder Same oder sogar jede Zelle, denn sie alle enthalten immer die Information für den Aufbau des gesamten Körpers. Oder jedes Wort, weil dessen Bedeutung von der Gesamtheit der Sprache abhängig ist und weil die Sprache sich durch jedes ihrer Worte ausdrückt. Oder jeder Denkvorgang, weil er von der Gesamtheit des Bewußtseins abhängig ist und weil das Bewußtsein sich durch jeden einzelnen dieser Denkvorgänge ausdrückt. Eigentlich ist es leicht aufzuzeigen, daß „überall“ im Kosmos ein Zusammenspiel von impliziten und expliziten Ordnungen besteht. Darauf will Bohm hinaus, aber damit hat er die Ebene von Mechanistik, Quantenphysik, Lokalität und Kausalität weit hinter sich gelassen.

„Mit anderen Worten, ‚letztlich‘ ist die Ganzheit des Ganzen und der Teile der entscheidende oder vorherrschende Faktor, während ihre Aufgeteiltheit einen untergeordneten Faktor darstellt. Das Prinzip der impliziten Ordnung betont also: die ‚letztliche‘ Ganzheit des Ganzen und der Teile. Das Prinzip, das dadurch verneint wird, ist: die ‚letztliche‘ Aufgeteiltheit der Teile und des Ganzen. Letzteres würde die Unterscheidung und Aufteilung an die erste Stelle setzen und würde bedeuten, daß das Wesen und Wirken des Ganzen von den Teilen abhängig sei. Diese Ansicht entspräche dem mechanistischen Weltbild, das ja darauf besteht, daß dem Ganzen keine unabhängige Wirklichkeit zukommt, was bedeuten würde, daß die Vorstellung eines ‚Ganzen‘ bloß eine abstrakte Darstellung der zusammenwirkenden Teile sei. Der Unterschied zwischen einem mechanistischen und ganzheitlichen Weltbild beruht also nicht in der Frage des Ganzen und der Teile, sondern in der Frage, welche Stellung man dem Ganzen und den Teilen beimißt.“
(22)

Bohm weist darauf hin, daß diese neue Weltsicht unerläßlich ist, um die gegenwärtige Zersplitterung zu überwinden, die durch die mechanistische Weltsicht gefördert wurde. Wenn man die Untereinheiten nicht mehr als Teile einer übergeordneten Ganzheit sieht, sondern als isolierte Objekte, entsteht ein materialistisches, fragmentarisches Denken. „Dieses Denken führt zur allgemeinen Tendenz, die Dinge aus ihrem natürlichen und höheren Zusammenhang zu reißen, und ist daher letztlich unbestreitbar destruktiv.“
(23)

Die Entdeckung des Konzeptes der impliziten und expliziten Ordnung stellt eine wichtige Annäherung an das vedische Weltbild dar, denn diese Begriffe werden helfen, die Beschreibung der manifestierten und unmanifestierten Materie (vyakta und avyakta) zu verstehen.

Die wichtige Erkenntnis besteht darin, daß die Beziehung zwischen zwei Erscheinungen nicht auf diese beiden Erscheinungen beschränkt ist, sondern von höheren, relativen Zusammenhängen abhängen, die wiederum von höheren Zusammenhängen abhängen, bis man letztlich den absoluten Zusammenhang (Visnu und Krsna) erkennt. Jedes Unterbrechen der verschachtelten Zusammenhänge hängt von der Willkür des Beobachters ab, denn quantentheoretisch kann man Zusammenhänge bis hin zum System der gesamten Galaxie oder sogar des gesamten Universums herstellen, oder sogar noch weiter …

Die Konsequenzen dieser neusten (und zeitlosen vedischen!) Einsichten sind für jedes materialistische Weltbild im wahrsten Sinn des Wortes umwerfend: Alle Aspekte des Universums sind unsichtbar miteinander verbunden. Man darf das Universum, ganz zu schweigen das Leben auf einem Planeten, nicht bloß als eine Kombination von unabhängigen mechanischen Bestandteilen auffassen. Alles ist unscheinbar miteinander verbunden, auch der Beobachter und das beobachtete Objekt. Plötzlich bekommt auch das Entfernte und Unsichtbare eine konkrete Bedeutung.

Das bedeutet natürlich nicht, daß die Newtonsche Mechanik falsch gewesen ist. Sie funktioniert ja offensichtlich bis zum heutigen Tag. Es geht hier um etwas viel Tieferes: um den natürlichen Zusammenhang. Die Quantenphysik zeigt, daß diese Mechanik nicht falsch, aber extrem ist, denn sie gilt nur in extremen Grenzsituationen, nämlich nur innerhalb der Dreidimensionalität und dort auch nur in jenem kleinen Ausschnitt, der für die Menschen faßbar ist. Die Technologie funktioniert, aber nur in einem kleinen Bereich. Die Technologen reißen Masse und Energie aus ihrem natürlichen Zusammenhang heraus und manipulieren sie für kurzfristige und kurzsichtige Zwecke, ohne die höheren Zusammenhänge zu kennen. Die bloße Tatsache, daß die Fernseher, die Autos und die Computer (und die Atombomben) funktionieren, heißt noch lange nicht, daß deren Ingenieure und Auftraggeber die wahre Natur von Materie und Energie kennen. Weil sie in Wirklichkeit die höheren Zusammenhänge „nicht“ kennen, verursachen sie im großen Rahmen eine Zerstörung. In der kleinen Welt mag die Rechnung stimmen, aber in der großen Welt, z. B. in der Umwelt, beginnt das Gebäude zu wackeln – weil gewisse Leute am Fundament herumbasteln.

Es wurde ein Technologiesystem aufgebaut, das zwar funktionstüchtig, für den Planeten Erde aber unnatürlich ist, und deshalb sehen wir heute nach zweihundert Jahren Industrie und fünfzig Jahren „friedlicher“ Nutzung der Nuklearenergie weltweite Abwehrreaktionen der Natur, die nun dem Parasiten „Mensch“ zu Leibe rückt. Tatsächlich haben mittlerweile die Krankheitssymptome bei Mensch und Umwelt lebensbedrohende Ausmaße angenommen: Mangelerscheinungen, Großstadtgeschwüre, Kreislaufkollapse, Wirtschaftswahnsinn, Brutalitätsausdrücke, und die Menschen werden immer kränker (und dümmer?). Über eine längere Phase hinweg scheint die Technologie also doch nicht wirklich zu funktionieren. Sie gründet in einem unvollständigen und deshalb unvollkommenen Verständnis von Materie und Energie und zerstört sich dadurch selbst. Es ist also nicht nur die falsche Verwendung der Technologie, die die Zerstörung verursacht, sondern auch die „Natur“ dieser Technologie an sich. Die vedischen Schriften weisen darauf hin, daß es auch in gewissen früheren Zeitaltern schon Zivilisationen mit ähnlichen Technologien gegeben hat, die Mutter Erde vergewaltigten und deshalb – zusammen mit ihren Zivilisationen – wieder untergingen. Die heutige Zivilisation wird hierin keine Ausnahme darstellen. Kein Wunder, daß mit einer Erweiterung des Bewußtseins auch eine neue, naturverbundene Technologie heraufkommen wird. (Die Richtung, in die eine konstruktive Entwicklung gehen muß, wurde von vereinzelten Forschern, wie Nikola Tesla und Viktor Schauberger, bereits erahnt.)

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Die neuen Weltbilder – Annäherung an das vedische Weltbild (Zusammenfassung)

Das vedische Weltbild revolutioniert sowohl das mittelalterliche als auch das moderne Weltbild. Die Kritik am gegenwärtigen Materialismus bedeutet nicht, daß das Mittelalter mit seinem religiösen Fundamentalismus die Alternative sein soll. Das einseitige Verständnis von Religion erwies sich als nicht überlebensfähig, weil es zu viele Aspekte der Realität verdrängte. Diese verdrängten Widersprüche wurden von der erwachenden Wissenschaft einer nach dem anderen aufgedeckt. Es war jedoch nur natürlich, daß die Reaktion auf die religiöse Einseitigkeit des Mittelalters eine neue Einseitigkeit hervorrief: das materialistische Weltbild des industriellen Zeitalters (Mechanistik, Darwinismus, Nihilismus).

Das Christentum, das im Mittelalter mit Selbstherrlichkeit und Gewalt seine Macht ausgeübt hatte, verlor immer mehr an Boden. Es konnte nicht mehr unbegründet Respekt fordern, sondern sah sich scharfer Kritik ausgesetzt. Auf einmal traten Philosophen und Wissenschaftler auf, die es wagten, die lange Zeit kritiklos akzeptierten Dogmen in Frage zu stellen. Nietzsche und Darwin sind zwei gute Beispiele hierfür. Nietzsche wies auf die Absurditäten im kirchlichen Gottesverständnis hin und forderte die Vertreter der etablierten Institutionen mit wilden Spekulationen heraus. Darwin wagte es, das kirchliche Schöpfungsdogma (die Schöpfung des Universums, der Erde und des Menschen habe vor sechstausend Jahren innerhalb von sechs Tagen stattgefunden) umzustoßen. Die Darwinisten vermochten aufzuzeigen, daß die Geschichte der Erde und der Menschheit „sehr alt“ ist, was eine entscheidende Erkenntnis darstellte, denn sie entzog falschen religiösen Vorstellungen den Grund und rückte auch die „heidnischen“ Urtexte Indiens in ein ganz anderes Licht (denn auch diese sprechen von großen Zeitspannen).

Der nächste wichtige Schritt bestand in der Überwindung des mechanistischen Weltbildes durch die Entdeckung der Relativitäts- und Quantentheorien. Durch die Quantenphysik wurde erkannt, daß die Atome nicht isoliert werden können, weil sie integrierte Teile einer Gesamtstruktur sind. Isolierte, unabhängige Objekte gibt es nicht. Auch der wissenschaftliche Forscher ist nicht isoliert oder unabhängig. Das bedeutet, daß es eine objektive, wertfreie Wissenschaft gar nicht gibt, denn die Wissenschaftler müssen immer von vorgefaßten Werten und Vorstellungen ausgehen. Das Bewußtsein ist also der wichtigste Faktor bei jeder Forschung. Ein neues, nicht-materialistisches Bewußtsein wird eine völlig neue Technologie hervorbringen.

Die neusten quantenphysischen Forschungen (Bohm, Bell) haben mittlerweile gezeigt, daß materielle Erscheinungen nicht nur dann zusammenhängend sind, wenn sie direkt miteinander in Verbindung stehen (wie im mechanistischen Weltbild geglaubt wird), sondern daß auch Erscheinungen, die nicht kausal verbunden sind, aufeinander einwirken können, nämlich dann, wenn sie über eine dritte, höhere Struktur verbunden sind. Man muß also davon ausgehen, daß im Universum neben der grobstofflichen Kausalität noch viele andere Faktoren und höhere Zusammenhänge wirksam sind.

Letztlich sind „alle“ materiellen Bestandteile miteinander verbunden, weil sie alle von einem gemeinsamen Ursprung ausgehen. Die gesamte Materie ist zusammenhängend, weil sich hinter ihr die spirituelle Realität (die transzendente implizite Ordnung) befindet. Während der ursprüngliche Zusammenhang auf der Ebene der grobstofflichen Materie nicht mehr direkt wahrnehmbar ist, wirkt er auf der feinstofflichen Ebene als ein essentieller Faktor der kosmischen Ordnung.

Die physikalische Kausalität ist lokal wirksam und die feinstoffliche Kausalität (Karma) universal.

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(1) Einstein, Albert: Mein Weltbild (herausgegeben von Carl Seelig), S. 14. Zürich, Stuttgart, Wien (Europa Verlag) 1954 zurück
(2) W. Pauli in einem Brief an M. Fierz (12. August 1948), zitiert in Audretsch, Jürgen: Die andere Hälfte der Wahrheit. Naturwissenschaft Philosophie Religion, S. 13. München (C.H. Beck) 1992 zurück
(3) Newton, Isaac: Mathematische Prinzipien der Naturlehre, Berlin 1872, Neudruck Darmstadt 1963 (Original: Philosophiae Naturalis Principia Mathematica, London 1686) zurück
(4) Fritjof Capra im Epilog seines Buches Das Tao der Physik – Die Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie zurück
(5) zitiert in, Herbert, Nick: Quantenrealität – Jenseits der neuen Physik, S. 11. Basel (Birkhäuser) 1987 zurück
(6) Der alltäglichste Atomfilm, den wir sehen, ist unser Körper, der immer gleich zu sein scheint, aber in Wirklichkeit konstant altert und sich verändert. Nur sehen wir es nicht, weil der Atomfilm so schnell abläuft. Je schneller die Bewegung, desto langsamer die Erscheinung …! zurück
(7) David Bohm und Renée Weber: Meaning as Being in the Implicate Order Philsosophy of David Bohm: a Conversation, in: B. J. Hiley, F. David Peat (ed.): Quantum Implications. Essays in Honour of David Bohm, S. 437. London and New York (Routledge & Kegan Paul) 1987 zurück
(8) zitiert in: Buckley, Paul, und Peat David: A Question of Physics. London (Routledge & Kegan) 1979 zurück
(9) M. Gell-Mann: The Nature of Matter, Wolfson College Lectures, 1980. Oxford (Clarendon Press) 1981 zurück
(10) Niels Bohr: Atomic Physics and Human Knowledge (S. 62). New York (Science Editions) 1961. zurück
(11) „Die Vielheit ist bloßer Schein; in Wahrheit gibt es nur EIN Bewußtsein. Das ist die Lehre der Upanischaden […] Nichts spiegelt sich! Die Welt ist nur einmal gegeben. Urbild und Spiegelbild sind eins. Die in Raum und Zeit ausgedehnte Welt existiert nur in unsrer Vorstellung.“ Schrödinger, Erwin: Geist und Materie, S. 79,92. Wien, Hamburg (Zsolnay) 1986. Erstausgabe in englischer Sprache 1958 (Cambridge University Press). zurück
(12) „Die Physik muß eine Realität in der Raumzeit darstellen, die frei ist von jeglicher geisterhaften Beeinflussung über Entfernung.“ Albert Einstein, zitiert in Born, Max (ed.): The Born-Einstein Letters, S. 158. London (Macmillan) 1971. zurück
(13) Herbert: Quantenrealität, S. 227 zurück
(14) Bohm: „Hidden Variables and the Implicate Order“, in: Quantum Implications, S. 35. zurück
(15) Bell, John: „Beables for quantum field theory“, in: Quantum Implications, S. 227 zurück
(16) Bell, John: „On the Einstein-Podolsky-Rosen Paradox“, in: Physics I 195 (1994) zurück
(17) Bohm: „Hidden Variables and the Implicate Order“, in: Quantum Implications, S. 39. zurück
(18) Bohm: „The Implicate Order: a New Approach to the Nature of Reality“, in: Schindler, David (ed.): Beyond Mechanism. The Universe in Recent Physics and Catholic Thought. S. 21f. University Press of America 1986 (veröffentlicht im Rahmen der gleichnamigen Konferenz, die 1984 in der University of Notre Dame, Indiana) zurück
(19) Bohm, David: Die implizite Ordnung. Grundlagen eines dynamischen Holismus, S. 9. München (Dianus Trikont) 1985. (Original: Wholeness and the Implicate Order, London 1980) zurück
(20) Bohm, in: Beyond Mechanism, S. 31 f. zurück
(21) ebd. S. 34 zurück
(22) ebd. S. 35 zurück
(23) ebd. S. 36 zurück

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