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Bücher von Armin Risi

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Armin Risi
Philosoph • Autor • Referent
Radikal umdenken – neue Wege und Weltbilder
Band 2 der Trilogie „Der multidimensionale Kosmos“ Unsichtbare Welten – Kosmische Hierarchien und die Bedeutung des menschlichen Lebens hat seit der dritten Auflage (2001) ein neues Vorwort.

Buchauszug
Anstelle eines Vorworts eine Vorgeschichte.

„Wer regiert die Welt?“

Während Hunderten und Tausenden von Jahren haben die Menschen aller Hochkulturen von unsichtbaren Welten und Wesen gesprochen. Erst seit etwa dreihundert Jahren glaubt der „moderne“ Mensch plötzlich, bewiesen zu haben, daß es diese „Dinge“ gar nicht gibt – und hat gerade während dieser Zeit eine um sich greifende Zerstörung heraufbeschworen.

Wie’s aussieht, ging der Fortschritt in eine falsche Richtung, und vieles ging verloren, nicht zuletzt ein großer Teil des menschlichen Urwissens. Aber auch das wenige, was noch geblieben ist, enthält wertvolle Mosaiksteine, die helfen können, das momentan vorherrschende Weltbild, das auf eine verhängnisvolle Weise materialistisch und beschränkt ist, zu überwinden. Hier weist das Wissen der Vergangenheit bereits weit in die Zukunft.

Beispiele hierfür ließen sich auf allen Kontinenten und in allen Kulturen finden. In der Vorgeschichte zum Thema „Unsichtbare Welten“ möchte ich schildern, was Karuna und ich (1999 im Rahmen unserer Hochzeitsreise) während einer sechswöchigen Exkursion nach Borneo diesbezüglich erlebten und entdeckten.

Mit diesem exotischen Reiseziel hofften wir, Menschen zu treffen, die noch möglichst wenig mit den Massenmedien in Kontakt gekommen sind, also kleine Volksstämme, die nichts von moderner Esoterik, Ufologie, Science-fiction und Geheimpolitik gehört haben. Was wissen solche Menschen über die heute herrschenden Mächte, über astrale und außerirdische Einflüsse? Diese Fragestellung bewog uns, fernab von Touristenpfaden den Kontakt mit möglichst „unzivilisierten“ Ureinwohnern zu suchen.

Borneo ist die viertgrößte Insel der Welt und gehört heute zu einem Drittel zu Malaysia und zu zwei Dritteln zu Indonesien. Das malaiische Drittel im nördlichen Bereich der Insel wird dominiert vom 4100 Meter hohen Berg Kinabalu, dem höchsten Berg Südostasiens. Wenn man bedenkt, daß dieser Berg nur wenige Kilometer vom tropischen Meer entfernt ist (6° nördlich des Äquators), bekommt man eine Vorstellung von der eindrucksvoll gegensätzlichen Naturszenerie. Vom Meeresstrand bis zum allesüberragenden Mount Kinabalu sind es nur fünfzig Kilometer, aber über viertausend Meter Höhenunterschied!

Bevor wir die „Feldforschung“ begannen, wollte ich mich etwas näher über das Weltbild der Urbevölkerung informieren. Die Suche wurde belohnt, als ich in der Sabah State Library von Kota Kinabalu ein Buch fand, das ein Dr. I. Evans im Jahr 1953 bei der Cambridge University Press veröffentlicht hatte: The Religion of the Tempasuk Dusuns of North Borneo.

Über die außerirdischen Einflüsse stand darin Folgendes:
„Die Gottheiten werden manchmal als Tuminaruk bezeichnet. Dieser Begriff läßt sich ableiten vom Verb minaruk — schaffen, schöpfen. (…) Alle Gottheiten und Wesen vom Himmel gebrauchen drachenähnliche ‚Fahrzeuge‘, wenn sie auf die Erde herabsteigen oder sich wieder in die Lüfte erheben wollen.“ (S. 16)
Die alten Überlieferungen erzählen, daß es sieben höhere Welten gebe, die alle eigene, bewohnte „Himmel“ seien. Der unterste heißt Tawan. „Das ist der Himmel, den wir mit unseren Augen zu sehen vermögen“, erklärt Dr. Evans (S. 41). „Tawan ist das übliche Dusun-Wort für ‚Himmel‘ im Sinn von Firmament, Himmelszelt.“ Mit anderen Worten, für diese Menschen ist es selbstverständlich, daß es nicht nur den sichtbaren Kosmos gibt, sondern auch eine Hierarchie von unsichtbaren Welten. In dieser Hierarchie befindet sich die für uns sichtbare Welt (Tawan) auf der untersten Stufe, da sie die am meisten verdichtete Welt darstellt. In der schamanischen Tradition wird mit diesen unsichtbaren Welten verkehrt und sogar „verhandelt“.

Die Urvölker Nord-Borneos haben keine patriarchalen Strukturen. Die sprichwörtlichen „Medizinmänner“ sind hier Medizinfrauen (im örtlichen Dialekt „Bobolijan“ genannt), über die viele Wundergeschichten erzählt werden, ähnlich wie über die philippinischen Heiler. Die Bobolijans sind jedoch sehr rar geworden, weil die christliche Missionierung und die islamische Staatsführung nichts für die Erhaltung dieser Stammeskulturen tun, um es gelinde zu formulieren. Deshalb stellte sich uns die Frage: Wo finden wir solche Schamaninnen?

Das Glück brachte uns bald mit Hermann zusammen, einem jungen Deutschen, der seit einigen Jahren auf Borneo lebt, die einheimische Sprache fließend spricht und dessen Herz mit den bedrohten Ureinwohnern schlägt. Er kannte touristisch unberührte kleine Dörfer, wo es noch Bobolijans gibt und für deren Kultur er sich einsetzt. Diese heiße Spur (35°C im Schatten!) führte uns zum Eingeborenenstamm der Rungus in der nördlichsten Ecke Borneos, auf der Landzunge namens Kudat.

Hermann wußte von zwei Bobolijans in dieser Gegend, und ihnen wollte er uns gerne empfehlen. Er sagte aber sogleich, er könne nicht garantieren, ob wir sie sehen und sprechen könnten. Er warnte uns auch, dort gebe es kein fließendes Wasser, keine Toiletten und keinen Strom, am Abend und in der Nacht also kein Licht. Dies erhöhte nur noch unsere Vorfreude auf die anspruchsvolle Urwaldromantik. Als alte Indienreisende ließen wir uns von keinem Luxusmangel abschrecken, Hochzeitsreise hin oder her!

In dieser Gegend gab es aber nicht nur keinen Strom, sondern auch keinen Urwald mehr. Dieser ist in den vergangenen drei Jahrzehnten bis auf den letzten Baum abgeholzt worden, und an seiner Stelle wurden Kokos- und Ölpalmen gepflanzt. Wo früher ein tropischer Regenwald stand, wuchert heute zwischen Palmen hohes Gras und Gestrüpp. Die großen Waldbrände der letzten Jahre waren eine direkte Folge dieser Forstwirtschaft, denn ein Urwald brennt nie.

Wo die Einheimischen einst in einem Dschungel lebten, der sie mit allem, was sie brauchten, versorgte, sehen sie sich nun inmitten eines Meeres von Palmenmonokulturen, durchbrochen von Dörfern, Straßen, Reisfeldern und Industrieanlagen, hauptsächlich Palmöl- und Holzindustrie.

Hermann führte uns stundenlang über holprige Nebenstraßen und lange Waldwege mitten in das Dickicht, bis wir endlich auf einer Lichtung beim versprochenen Dorf anlangten: zwei lange Häuser auf Stelzen, sogenannte „Langhäuser“, und ein paar barackenähnliche Holzverschläge.

Es war schon später Abend und stockdunkel, als wir unangemeldet ankamen, aber wir wurden stürmisch empfangen und neugierig umringt.

Am folgenden Tag äußerten wir durch Hermann dem Häuptling gegenüber unseren Wunsch, mit der Bobolijan zu sprechen. Dies wurde zur Kenntnis genommen, aber nichts geschah.

Obwohl im Dorf nur etwa sechzig Personen leben, steht am Dorfrand ein Holzhaus mit einem Kreuz auf dem Dach: die Missionskirche. In der Kirche hängt eine öffentliche Liste mit den Namen all jener Personen des Dorfes, die der Kirche, meist R. C. („Roman Catholic“), bereits beigetreten sind. Wir zählten 37 Namen. Der soziale Druck auf die anderen war deutlich ablesbar.

Hermann erklärte uns, warum die Bobolijan-Frauen sogar in ihrem eigenen Dorf zurückgezogen, ja praktisch unsichtbar leben. Sie werden von den Missionaren als Teufelsanbeterinnen und Hexen bezeichnet, und den „Bekehrten“ wird geraten, sie wie die Pest zu meiden.

Während acht Tagen regte sich nichts. Wir wollten nicht insistieren und genossen einfach die Ruhe oder machten mit den Dschungeljungs abenteuerliche Bootsfahrten flußaufwärts zum Meeresstrand oder querfeldein zu Badestellen am Bach und hin zu den Palmen mit den reifen Kokosnüssen. Obwohl wir Weiße waren, Angehörige jener Rasse, die ihnen alles zerstört hatte, bekamen wir nie auch nur einen Anflug von Haß oder negativen Gefühlen zu spüren. Im Gegenteil, wir wurden herzlich und zuvorkommend behandelt, und unser Gepäck in der offenen Schlafecke wurde auch während unseren Tagesausflügen von niemandem angerührt.

Dann plötzlich, am Abend des achten Tages, kamen von allen Seiten Einheimische in unser Langhaus. Sie knüpften ihre traditionellen Gongs an die Dachbalken, und plötzlich lebte eine zeitlose Stimmung auf. Verschiedene Gongspieler, die sich abwechselten, starteten ihr mystisches Klangspiel. Die Dorfältesten kleideten Karuna und mich in ihre kunstvolle Stammestracht und weihten uns in ihren Tanz ein, ein ganz langsames, zeitlupenhaftes Drehen, was im schweren Rhythmus der Gongklänge trance-ähnlich auf das Bewußtsein wirkt.

Wir beide tanzten vor den versammelten Rungus. Einige schauten andächtig, andere waren belustigt, Kinder lachten. Wir fühlten etwas von der Welt der Rungus, so wie sie schon seit unvordenklicher Zeit besteht, und wir waren aufgenommen.

Die erste und zweite Bobolijan erhoben sich ebenfalls und tanzten. Nach der Feier konnten wir der älteren auf einmal all unsere Fragen stellen, und der ganze Kreis lauschte gebannt.

Eine junge Dorfbewohnerin übersetzte vom Rungu-Dialekt auf Malaiisch, und Hermann übersetzte von Malaiisch auf Deutsch. Ich fragte nach der Herkunft der Menschen und der Orang Utans, nach den unsichtbaren Wesen, wie sie deren Einflüsse auf unsere Welt sehe und was ihre Prophezeiungen seien. Und ich fragte hier am Ende der Welt: „Wer regiert die Welt?“

Die alte Frau sprach lebhaft, aber mit abwesendem Blick, sprach auch, als die Übersetzung lief. Während sie sprach, schien sie in eine andere Welt zu blicken und mußte immer wieder überlegen, was nur sie sieht und was auch wir sehen.

Sie erzählte, wie der Mensch aus den höheren Himmeln auf die Erde gekommen sei, schüttelte den Kopf, als ich fragte, ob der Mensch vom Affen abstamme, und kam bald auf die Welt der bösen und der guten Geister zu sprechen. Die bösen Geister seien überall, und der Mensch müsse lernen, mit ihnen zu leben, ihre Regeln nicht zu verletzen und ihre Wünsche zu erfüllen; ansonsten könne ein ganzes Dorf krank werden, oder Feuer komme ins Langhaus, oder die Tiere stürben; deshalb würden Tieropfer durchgeführt, in der Vergangenheit auch seltene, spezifische Menschenopfer, insbesondere vor dem Beginn eines großen Unterfangens oder eines Dorfbaus. (So wie ich’s verstand, lag hier folgende Logik zugrunde: Lieber stirbt ein Mensch freiwillig als ein ganzes Dorf unfreiwillig. – Diese Verehrung negativer Astralwesen ist typisch für das Weltbild des Animismus, stellt aber meiner Meinung nach nicht den besten Schutz gegen solche Einflüsse dar.)

Bei der Frage nach den geheimen Beherrschern der Welt erwähnte sie in ihrer Sprache ein Wort, das uns aufhorchen ließ: Naga. Dieses Wort kannten wir bereits aus dem Sanskrit und hatte hier, weit von Indien entfernt, dieselbe Bedeutung. Die Bobolijan erklärte, dies seien die Drachenwesen; einige seien sichtbar, andere unsichtbar; einige seien gut oder neutral, andere bösartig und blutrünstig; es sei möglich, daß gewisse reptiloide Wesen sich in Menschen verwandeln können; sie habe Menschen gekannt, die am Oberkörper, hauptsächlich am Brustkorb unter den Armen, eine schuppige Schlangenhaut gehabt hätten.

Als wir bei einem anderen Dorfstamm im Süden (Sarawak) dieselben Fragen stellten, führte uns ein Eingeweihter an einen ehemaligen Dschungelrand, der heute ein überwuchertes Straßenbord ist. Dort verwies er uns auf eine Gruppe von liegenden, ausgedienten Totem-Holzstelen; vielleicht könne ich hier weitere Antworten finden.

Und ob! Vor allem eine der Stelen stach sogleich ins Auge: ein aufrecht stehender Mann mit einem überproportional großen Kopf, Riesenschnurrbart und einer typisch europäischen Nase; er trägt die symbolischen Insignien eines mächtigen Mannes: eine Art Turban und große Ohrringe. Der Mann ist also ein höchstrangiger Machthaber aus dem Westen (ein sog. „Illuminat“?). Auf seinem Kopf lauert ein kleines katzenähnliches (astrales?) Tier, das ein spiralförmiges Gebilde, vielleicht das Stirn-Chakra des Mannes, umklammert. Sein stierer, emotionsloser Blick deutet an, daß er fremdbestimmt, programmiert oder sogar feinstofflich besessen ist.

Der Mann hält mit beiden Händen vor sich eine kahlgeschorene einheimische Frau, die nackt und schwanger ist. Der Mann hält sie mit der einen Hand an der linken Brust, mit der anderen an ihrem Bauch – und bringt diese Frau einem Drachen dar, der sie verschlingt. Ein höchstrangiger Mann opfert einer Drachenmacht eine nackte, schwangere Frau! Die Bedeutung dieser gut zwei Meter langen Schnitzerei war von einer erschütternden, aber offensichtlichen Symbolik.

Wenn ich die Erklärungen richtig verstanden habe, wurden solche Darstellungen angefertigt, um die entsprechenden Mächte günstig zu stimmen. Sie wurden nicht verehrt, weil man sie für gut oder verehrungswürdig hielt, sondern aus einer Art Angst, denn diese Rituale sollten bewirken, daß die bösen Geister den Menschen möglichst wenig Schaden zufügen. Auch hier zeigt sich ein Verlust der ursprünglichen Spiritualität, denn diese lehrt, daß wahrer Schutz nur im „Licht“, in der göttlichen Kraft und Liebe, zu finden ist.

Die beschriebenen Stelen sind nicht antik, aber erzählen dennoch eine alte Geschichte – die Geschichte der Menschheit, die einer „Erlösung vom Bösen“ bedarf. Heute sind diese Stelen außer Dienst und liegen im wilden Gestrüpp. Die meisten Einheimischen haben sich zum Islam oder zum Christentum bekehrt, und von beiden Religionen wird diese Form des „Götzendienstes“ (nicht zu unrecht) abgelehnt.

Die Dorfbewohner hoffen einfach noch, daß irgendeinmal ein Kunsthändler aufkreuzt, der ihnen diese Holzskulpturen für einen guten Preis abkauft. Wir hätten ihnen diese Freude gerne gemacht, aber als Souvenir war uns die Drachen-Stele zu makaber und als Reisegepäck zu schwer …

Hinweis: Ein ausführlicher Reisebericht wurde im Kopp-Dossier und in der Zeitschrift Wegbegleiter (2/2001) veröffentlicht.