Armin Risi

Philosoph • Autor • Referent

Radikal umdenken – neue Wege und Weltbilder

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Armin Risi

Philosoph • Autor • Referent
Radikal umdenken – neue Wege und Weltbilder

Aus Schaden allein wird
der Mensch nicht klug

von Armin Risi

Zahllose Zivilisationen sind auf der Oberfläche der Erde schon entstanden und wieder vergangen, und mit ihnen kamen und gingen verschiedenste Weltanschauungen, Ideologien und Herrschaftssysteme. Dieses Kommen und Gehen, vergleichbar mit dem Wechsel von Sommer und Winter, bildet das, was wir heute „Geschichte“ nennen. Doch genauso wie in den letzten hundert Jahren die Naturwissenschaften ihr Weltbild grundlegend ändern mußten und vor weiteren Änderungen stehen, so wird auch das Fach „Geschichte“ sein Weltbild ändern müssen, obwohl sich die Vertreter der historischen und archäologischen Doktrinen bis anhin dagegen gestemmt haben und immer noch stemmen.

Verschiedenste Entdeckungen und unerklärliche Phänomene bereiten den modernen Menschen auf die Erkenntnis vor: Wir sind nicht allein im Universum. Wir sind nicht die Krone der Schöpfung. Früher gab es sowohl geistig als auch technologisch höher entwickelte Kulturen, genauso wie es sie auch auf anderen Planeten gibt. Dies mag für den einen oder anderen noch überraschend, ja sogar unglaubwürdig klingen, aber nur für jemanden, der nicht die Weisheitsschriften der vedischen (altindischen) Hochkultur kennt; denn diese Schriften beschreiben solche höheren Kulturen im Detail, sowohl jene der Erdgeschichte wie auch jene anderer Planeten. Und sie bezeugen als lebendige Beweise diese Aussagen, denn sie selbst sind ja das Vermächtnis einer solchen Hochkultur.

Der Mensch befaßt sich mit Geschichte, um etwas daraus zu lernen. Aber die Geschichte zeigt, daß der Mensch nichts aus seiner Geschichte lernt! So viele Brutalitäten fanden statt, aber nach jedem Völkermord und nach jedem Krieg, insbesondere nach dem 2. Weltkrieg, wurde die Gesellschaft auf solch eine Weise neuorganisiert und weitergeführt, daß die Weltlage nicht besser, sondern bedenklicher wurde. So wird die Menschheit heute nicht mehr „bloß“ durch Krieg bedroht, sondern auch durch die selbstverschuldete Umweltzerstörung, durch den weltweiten Raubbau der Industrieländer und durch die Verbreitung atheistischer „Moral“.

Leid, Zerstörung oder Frustration allein genügen also nicht, um den Menschen weiser zu machen. Diese schmerzlichen Erfahrungen müssen befruchtet werden mit höherem Wissen, und dann erst kann man aus der Geschichte die richtigen Lehren ziehen.

Genau hierin unterscheidet sich die vedische Geschichtsschreibung von der modernen. Sie legt nicht Wert auf chronologische Detailauflistung was angesichts des zyklischen Verlaufes der Geschichte sowieso sinnlos wäre, sondern auf die Lehre, die uns die Geschichte vermitteln will. Deshalb konzentrieren sich die vedischen Schriften auf die wahrhaft wichtigen und lehrreichen Ereignisse der universalen Geschichte, nämlich das Erscheinen der Inkarnationen Gottes und der großen Gottgeweihten, deren Hauptmission es ist, das notwendige spirituelle Wissen zu überbringen, um es uns zu ermöglichen, aus der Konfrontation mit der Vergänglichkeit und Zerstörbarkeit materieller Existenz die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Der aufmerksame, geschulte Leser der vedischen Geschichtswerke, die in erster Linie philosophische, heilige Schriften sind, kann in ihnen auch chronologische Informationen finden, die von der fernen Vergangenheit bis in die Zukunft reichen.

Eine arme reiche Kultur

Kultur gehört zu dem, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Der Mensch hat verschiedene Bedürfnisse und Neigungen mit dem Tier gemein, nämlich Essen, Schlafen, Fortpflanzung und Verteidigung der Lebensgrundlagen. Diese Bedürfnisse sind dem Menschen wie auch dem Tier von der Natur vorgegeben, sind also „natürlich“. Die Kultur der menschlichen Zivilisation sollte aber nicht nur bei der Sorge um diese natürlichen Bedürfnisse stehenbleiben, sondern sollte den Menschen darüber hinausführen. Kultur muß also nicht nur natürlich sein, sondern auch „übernatürlich“ (transzendental), das heißt, sie sollte über die natürlichen Bedürfnisse des Lebens hinausgehen und auch die übernatürlichen Bedürfnisse des Menschen berücksichtigen. Die Aufgabe der menschlichen Kultur wäre es also, durch gemeinsame, organisierte Bemühung die Lebensnotwendigkeiten (Nahrung, Wohngelegenheit usw.) effektiv und mit möglichst geringem Aufwand jedem Mitglied der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, so daß genügend Zeit und Energie für die übernatürlichen, transzendentalen Bedürfnisse übrigbleiben, wie kulturelles Interesse, Studium der philosophischen und heiligen Schriften und damit verbundene Diskussionen, Gebet, Meditation, Teilnahme an Tempelzeremonien und spirituellen Festen, praktische Arbeit für diese Ziele, Pilgerreisen usw.

Die gegenwärtige Gesellschaft bewegt sich mit ihrer Unkultur genau in die entgegengesetzte Richtung. Die heutigen Bürger werden immer mehr durch künstliche Verpflichtungen, Teuerung, Zinse, Steuern, Versicherungen usw. belastet und verstrickt, so daß heute nicht einmal mehr die Reichsten besitzen, was in den alten Hochkulturen sogar die Ärmsten besaßen: Zeit! Und eine innere Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, ein natürliches Gottesbewußtsein – die wahren Reichtümer, die dem Menschen niemand nehmen kann. Solche Menschen sind frei von Angst und Neid und müssen nicht immer neue Varianten der äußeren Befriedigung suchen, um danach noch unzufriedener und suchender zu sein als vorher.

Den Menschen ist irgendwie beigebracht worden, es sei möglich, durch äußere Vorkehrungen zufrieden und glücklich zu werden. In Kinofilmen, in Illustrierten, in Büchern, im Fernsehen und in der Werbung erscheinen glückliche Männer und Frauen, die sich ihre Träume erfüllen konnten, Männer und Frauen, die erreicht haben, was sie wollten. „Anderen gelang es, so soll es auch mir gelingen. Auch ich will zu jenen Männern und Frauen gehören, die erreichten, was sie sich wünschten.“ Weil dies jedoch trotz aller Zuversicht und Lebenslust nicht so leicht zu erreichen ist und man unweigerlich auch älter wird, gibt man sich der bürgerlichen Lebensweisheit hin: mit dem Wenigen zufrieden sein, nicht immer besser sein wollen als die anderen, nicht immer Weltverbesserer spielen wollen. So begnügt man sich mit dem Durchschnittlichen, denn man ist schließlich ein reifer Erwachsener, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und Lebenserfahrung hat und sich nicht mehr von jugendlichem Idealismus wegtragen läßt. Man konzentriert sich darauf, über das Glück und Leid der anderen Menschen zu erfahren. So kann man sich glücklich fühlen, denn es gibt Menschen, denen es schlechter geht als einem selbst, und es gibt Menschen, die Erfolg haben und an deren Erfolg man sich ebenfalls freuen kann. Sport und Politik sind Lieblingsthemen des Durchschnittes. Wer kann heute auf das „tägliche Brot“ – Fernsehen, Zeitung, Nachrichten – verzichten?

Doch das Problem ist, daß auch das anonyme anspruchslose Durchschnittsleben nicht billig ist. Des Menschen Leben ist erfüllt von Geldverdienen und Sicherholen vom Geldverdienen. Als Ergebnis davon sind die Menschen von der harten Arbeit und der ablenkenden Berieselung derart ausgelaugt, daß sie weder Zeit noch Kraft, noch Interesse haben, über irgend etwas Höheres nachzudenken. Eine solche Gesellschaft ist offensichtlich unfähig, aus der eigenen Geschichte und den eigenen Fehlern zu lernen, ja sie verurteilt sich selbst dazu, dieselben Fehler in immer verheerenderem Ausmaße zu begehen. Sich mit vedischem Wissen zu befassen ist also nicht nur eine Freizeitmuße für Liebhaber, sondern eine Lebensnotwendigkeit, eine Überlebensnotwendigkeit.